2004 war das Jahr der Marktbereinigung
Die Clintons belebten den stagnierenden deutschen Buchmarkt

Sein Auftritt war der PR-Höhepunkt des Jahres für die deutsche Buchbranche. Als sich Bill Clinton am Abend des 11. Juli auf der Berliner Friedrichstraße zeigte, wurde er gefeiert wie ein Popstar. An jenem Sonntag war der ehemalige US-Präsident in die deutsche Hauptstadt gereist, um für sein neues Buch "Mein Leben" zu werben.

HB DÜSSELDORF. Mit bisher 220 000 verkauften Exemplaren ist Bill Clinton kurz davor, die familieninterne Benchmark zu knacken. Ehefrau Hillary hatte 2003 mit ihrer "Gelebten Geschichte" vorgelegt und 230 000 Bücher verkauft. Sieger dieses Kopf-an-Kopf- Rennens wird am Ende der Berliner Econ-Verlag sein, der beide Bücher in Deutschland auf den Markt gebracht hat.

Fälle wie Clinton bei Econ oder Horst Köhler beim Hamburger Verlag Hoffmann und Campe waren in diesem Jahr aber eher die Ausnahme. Der deutsche Buchmarkt stagniert, was nach drei Jahren stetigen Umsatzrückgangs schon fast wie eine Erfolgsmeldung klingt. Mit einer "schwarzen Null" werde die Branche das Jahr wohl beenden, sagte Dieter Schormann, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Allerdings ging Schormann noch im März mit einer echten Wachstumsstory an die Öffentlichkeit. Zwischen zwei und vier Prozent werde die Branche 2004 zulegen, sagte er voraus. Seine optimistische Haltung trug ihm damals Kritik aus den eigenen Reihen ein, vertritt der Börsenverein doch die Interessen von Verlagen und Buchhandlungen.

Von Euphorie ist die Branche weit entfernt - auch weil der Handel in diesem Jahr ohne massentaugliche Ware der Kategorie Dieter Bohlen oder Harry Potter auskommen musste. Stattdessen mischten einige Zeitungsverlage den Buchmarkt kräftig auf.

So landete die "Süddeutsche Zeitung" einen Marketing-Coup mit ihrer "SZ-Bibliothek". Fünfzig RomanBände, jede Woche ein anderer, wurden zum Einzelpreis von 4,90 Euro angeboten. Die Resonanz war derart enorm, dass der Verlag nun zum Jahresende auf die Marke von acht Millionen verkauften Büchern zusteuert.

Das Modell ist kühl kalkuliert. Häufig werden die Lizenzen für derartige Bücher nur vorübergehend vergeben. Damit können Verlage die in Deutschland geltende Buchpreisbindung umgehen und Bücher zum Billigpreis anbieten.

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