2004 wird für die EU zum Schicksalsjahr - mit der Erweiterung im Mai droht eine Dauerkrise
Wunder dauern etwas länger

Zum Beginn des neuen Jahres steht die EU vor einem Scherbenhaufen - und niemand weiß, wie es weitergeht.

BRÜSSEL. Es ist noch gar nicht lange her, da sah Europas Zukunft glänzend aus. Die neue, um zehn Länder erweiterte EU werde größer als das Römische Reich und mächtiger als die Katholische Kirche, schwärmte Außenminister Joschka Fischer. Die Erweiterung bedeute eine friedliche Revolution, freute sich EU-Kommissionschef Romano Prodi. Am 1. Mai 2004 beginnt die "Wiedervereinigung" des alten Kontinents, dozierte Erweiterungs- Kommissar Günter Verheugen.

Doch während die deutsche Wiedervereinigung im Sauseschritt über die Bühne ging, haben Prodi ihr Rendezvous mit der Geschichte verpasst. Die Vertiefung, die lange als unabdingbare Voraussetzung für die Erweiterung galt, ist gescheitert. Die Verfassung, die die EU handlungsfähiger machen sollte, ist nach dem Brüsseler Dezember-Gipfel auf unbestimmte Zeit verschoben. Auch die Finanzierung der erweiterten Union ist seit dem Warnbrief der sechs Nettozahler an Prodi wieder heftig umstritten.

Zu Beginn des neuen Jahres steht die EU vor einem Scherbenhaufen - und niemand weiß, wie es weitergeht. "Wunder sind nicht meine Spezialität", warnt Prodi - ohne ausreichende Finanzmittel seien die ehrgeizigen Ziele für die Zukunft nicht zu erfüllen. "Wir müssen aufpassen, dass kein Riss durch Europa geht", mahnt Verheugen, der um die Früchte seiner jahrelangen Beitritts-Verhandlungen fürchtet. Selbst Außenminister Fischer, der bisher noch jeder EU-Krise etwas Positives abgewinnen konnte, klingt pessimistisch. Im neuen Jahr werde sich die Verfassungsdebatte auf ungute Weise mit der Finanzdebatte vermengen, schwant dem Chef des Auswärtigen Amts.

Seite 1:

Wunder dauern etwas länger

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%