204 Unternehmenschefs unterstützen den demokratischen Präsidentschaftskandidaten
Kerry bekommt Rückendeckung aus der Wirtschaft

David Bonderman, der Gründer der Investment-Firma Texas Pacific Group, unterbrach extra seinen Italien-Urlaub. "George W. Bush ist persönlich ein feiner Kerl, aber seine Politik ist schrecklich: Er wollte das Land einigen und hat das Gegenteil erreicht", sagte Bonderman im Interview auf seiner Jacht im Mittelmeer.

WASHINGTON. Und Thomas Johnson, Chef der Hypothekenbank Green-Point Financial, rügte die Finanzpolitik des Präsidenten: "Massive Steuererleichterungen während eines Krieges sind das falsche Rezept."

Die zwei Unternehmer sind Teil der amerikanischen Wirtschaftselite, die zunehmend auf einen Wechsel im Weißen Haus setzt. Der demokratische Präsidentschaftskandidat John Kerry gab am Mittwoch eine Liste von 204 Firmenmanagern bekannt, die seine Kampagne unterstützen. Darunter befinden sich so prominente Namen wie Charles Phillips, Präsident des Software-Unternehmens Oracle, Charles Gifford, Vorsitzender der Bank of America oder James Sinegal, Leiter der Großhandelskette Costco.

Viele der Top-Manager haben vor vier Jahren Bush gewählt, kritisieren aber nun das unverändert hohe Haushaltsdefizit und die internationalen Spannungen im Zuge des Irak-Krieges. Owsley Brown, Vorsitzender des Whisky-Herstellers Brown-Forman ("Jack Daniel's") bringt die Haltung der Wirtschaftsführer auf den Punkt: "Kerry hat ein gutes Konzept, die Budget-Disziplin wiederherzustellen und unsere Beziehungen zur Welt zu reparieren." Der Streit um den Irak-Krieg habe das Geschäftsklima verschlechtert, lautet eine der häufigen Klagen, vor allem von Export-Unternehmen.

Das Kerry-Lager hatte sich in den vergangenen Monaten fieberhaft bemüht, Amerikas "business community" zu umwerben. Doch außer dem ehemaligen Chrysler-Chef Lee Iacocca, dem Investment-Papst Warren Buffett und Steve Jobs vom Computerriesen Apple hatte keiner der großen Fische angebissen.

"Viele Unternehmer haben zwar hinter den Kulissen mit uns sympathisiert, wollten sich aber aus Angst vor Repressalien durch die Republikaner nicht äußern", betonte ein enger Kerry-Berater gegenüber dem Handelsblatt. Doch nun hat sich die Stimmung gedreht: Der demokratische Kandidat führt in den meisten Meinungsumfragen mit einem leichten Vorsprung vor Bush.

Die Republikaner gelten traditionell als Favoriten der Wirtschaft. Von den drei Steuersenkungsrunden Bushs über 1,7 Bill. Dollar profitierten vor allem Spitzenverdiener. Fast 75 Prozent der rund 230 Mill. Dollar aus dem Wahlkampf-Topf des Präsidenten stammen von Firmen-Spenden. Bei Kerry, der bislang etwa 160 Mill. Dollar eintrieb, beträgt der Anteil weniger als die Hälfte.

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