22 000 freiwillige Helfer
Olympia im Land des Lächelns

Brigitte Schultz, gebürtige Müller, fährt jeden Morgen mit dem Bus 100 Kilometer weit nach Salt Lake City. Gut acht Stunden später pendelt sie wieder zurück. Fünf Wochen lang geht das so - bis auch die letzten Organisatoren und Besucher der Olympischen Winterspiele die Mormonen-Metropole wieder verlassen haben. Dann ist der Job erledigt.

dpa SALT LAKE CITY. Frau Schultz, die vor 38 Jahren aus Deutschland in die USA übersiedelte, gehört zu den 22 000 freiwilligen Helfern, die vom Organisationskomitee für die Spiele (SLOC) angeheuert worden sind und Athleten wie Gästen den Aufenthalt so angenehm wie möglich machen sollen. Und das tun sie mit Erfolg: Olympia-Veteranen sagen, dass sie noch nie bei Spielen derart freundlich und höflich behandelt worden sind wie in Salt Lake City. Tatsächlich: So groß sind Nettigkeit und Hilfsbereitschaft, dass es manchmal schon etwas zu viel wird.

Vielleicht liegt es an den Mormonen, die das Leben in der Stadt am Großen Salzsee prägen und die Nächstenliebe als Topgebot hoch halten. Vielleicht hat es aber auch nur etwas damit zu tun, dass den Freiwilligen von Salt Lake die Arbeit viel Spaß macht. Brigitte Schultz jedenfalls ist keine Mormonin und trotzdem im wahrsten Sinne des Wortes ein strahlendes Beispiel für dieses Olympia im Land des Lächelns. Mit blitzenden Augen und vergnügter Miene steht sie mit anderen Freiwilligen hinter dem Informationsschalter im Medien- Zentrum. Neun Sprachen werden hier gesprochen.

Der Andrang auf die unbezahlten Helfer-Jobs war riesig. Nur zwei Tage nach einem öffentlichen SLOC-Aufruf waren 67 000 Bewerbungen eingegangen - weitaus mehr, als benötigt wurde. Von 18 bis 80 reicht das Alter der Freiwilligen, die aus allen möglichen gesellschaftlichen Gruppen kommen und in allen möglichen Bereichen eingesetzt werden. Sie reißen Tickets ab, weisen Parkplätze zu, geben Wegebeschreibungen, helfen bei den Sicherheitskontrollen oder beim Bepflastern von wund gescheuerten Füßen.

Drei Kurse mussten zur Vorbereitung absolviert werden, in denen den Anwärtern sechs Faustregeln für den Job beigebracht wurden: Hingabe, Hilfsbereitschaft, Anpassungsfähigkeit, Respekt, Großzügigkeit und Freude an der Arbeit. Und natürlich die Hauptsache: Immer lächeln, immer vergnügt...

Nicht alle sind Pensionäre wie Brigitte Schultz oder studieren wie die junge Deutsche Daphne Hartzheim, die vorübergehend in den USA lebt und ebenfalls am Informationsschalter aushilft. Es gibt auch Freiwillige, die voll im Berufsleben stehen und sich für den olympischen Dienst unbezahlten Urlaub nehmen müssen. Stephanie Clement etwa, die italienisch spricht und in der Marketing-Abteilung eines großen US-Autoherstellers in Detroit arbeitet, verliert durch ihren Einsatz in Salt Lake City umgerechnet fast 3 800 Euro.

Was bekommt sie dafür? Wie alle Helfer darf Stephanie ihr Olympia- Outfit behalten: unter anderem eine schicke Winterjacke und eine Fleece-Weste in den Farben der Milka-Kuh. Aber das sei nicht das Wichtige, sagt die junge Brünette stellvertretend für die ganze Crew: "So vielen Menschen aus aller Welt begegnen zu können, das ist ein Gewinn, der mit Geld nicht aufzuwiegen ist." Und nicht zu vergessen die vielen Ski-Beaus: "Vielleicht finde ich ja hier den Mann meines Lebens."

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