23 Spieler nominiert
WM-Aufgebot: Völler verzichtet auf Max

Mit Sebastian Deisler und 13 weiteren EM-"Versagern", aber ohne den besten deutschen Torjäger will Rudi Völler Fußball-Deutschland vor einer weiteren WM-Blamage bewahren.

sid FRANKFURT. Am Montag gab der Teamchef des dreimaligen Welt- und Europameisters in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Frankfurt/Main sein mit Spannung erwartetes 23-köpfiges Aufgebot für die Endrunde 2002 in Südkorea und Japan (31. Mai bis 30. Juni) bekannt.

Dabei verzichtete der einstige Goalgetter Völler trotz der aktuellen Probleme im Angriff der deutschen Nationalmannschaft auf Martin Max, mit 18 Treffern Torschützenkönig der Bundesliga. Den Vorzug vor dem Profi von 1860 München erhielt "Null-Tore-Stürmer" Carsten Jancker. In der Abwehr und im Mittelfeld entschied sich der Teamchef gegen Frank Baumann, Jörg Böhme und Lars Ricken. Dafür sind Jörg Heinrich, Torsten Frings und Gerald Asamoah dabei. Außerdem erhielt Jörg Butt als dritter Torwart den Vorzug vor Frank Rost. Sieben Akteure des jetzigen WM-Kaders waren schon 1998 in Frankreich dabei; damals umfasste das Aufgebot allerdings nur 22 Spieler.

"Es hat einige Härtefälle gegeben. Es war nicht so einfach zum Telefonhörer zu greifen und den Spielern eine Absage zu erteilen. Ich hatte aber den Eindruck, dass die Spieler das mit Verständnis aufgenommen haben. Ich glaube nicht, dass es für die Zukunft zu Problemen führen wird", sagte Völler und fügte an: `Die Möglichkeit ist immer noch groß, dass jemand nachnominiert wird. Wenn wir bis zum Abflug feststellen, dass es bei dem einen oder anderen nicht reicht, werden wir reagieren." Erst am 21. Mai ist bei der Fifa Meldeschluss.

Vor allem die Besetzung des Angriffs bereitete dem Teamchef großes Kopfzerbrechen. "Martin Max ist auf Grund seiner Tore ein absoluter Härtefall. Aber ich bin von den Qualitäten von Carsten Jancker überzeugt", sagte Völler. Max will sich wie vorgesehen auf Abruf bereithalten, verstand allerdings zunächst die Welt nicht mehr: "Das gibt's in keinem anderen Land, dass der Torschützenkönig die WM nur vor dem Fernseher erlebt. Das ist ein Witz."

Weniger schwer fiel Völler indes die Entscheidung, den lange verletzten Spielmacher Sebastian Deisler zu nominieren. Der Jungstar absolvierte am Samstag in Leverkusen einen 12-Minuten-Kurzeinsatz für Hertha BSC. "Das Wichtigste war, dass der Bewegungsablauf wieder normal ist", stellte der Teamchef erleichtert fest. Deisler müsse allerdings in der Vorbereitung etwas mehr tun. Dies wird wohl auch die zuletzt angeschlagenen Marko Rehmer und Christian Ziege betreffen. Der Rest darf laut Völler in den nächsten Tagen erst einmal regenerieren.

Unfreiwillig muss der Teamchef bei der WM ohne die Leistungsträger Jens Nowotny (Kreuzbandriss) und Mehmet Scholl (Verzicht) sowie Alexander Zickler (Wadenoperation) auskommen. Wobei die Absage des Münchners Scholl, der am Samstag gegen Rostock bester Spieler des FC Bayern war, bei einigen Unverständnis hervorrief. "Da wird man schon nachdenklich, wenn man sieht, wie er Fußball spielen kann. Ich habe seine Entscheidung respektiert, aber nicht akzeptiert", sagte DFB-Kapitän Oliver Kahn. Völler betonte jedoch: "Es geht ihm nicht so gut wie es ausschaut."

Völler glaubt an die Mannschaft

Trotz der Ausfälle seiner Leistungsträger Nowotny und Scholl bleibt Völler bei seinen Vorgaben für die DFB-Auswahl, für die bei den beiden vergangenen WM-Endrunden 1994 und 1998 jeweils im Viertelfinale Schluss war: "Unser erstes Ziel ist das Achtelfinale. Ich glaube an die Mannschaft, die über den Teamgeist viel erreichen kann."

Ein Teil der deutschen WM-Fahrer trifft sich am Dienstagabend im Elztal-Hotel Schwarzbauernhof in Winden in der Nähe von Freiburg. Fehlen werden dort die Spieler von Bayer Leverkusen, Schalke 04 und Borussia Dortmund sowie Dietmar Hamann, die mit ihren Klubs noch im Einsatz sind. Deshalb hat Völler den DFB-Kader für das Länderspiel am Donnerstag (20.30 Uhr/live im ZDF) in Freiburg gegen Kuwait mit sieben `Aushilfen" aus der letztjährigen "U21" aufgefüllt.

Max, Rost, Baumann, Böhme, Ricken, Stefan Beinlich, Thomas Brdaric und Ingo Hertzsch, die für die WM auf Abruf bereit stehen, fehlen trotz der Personalnöte im Trainingslager und im Kuwait-Aufgebot. Völler begründete dies so: "1986 hat Franz Beckenbauer vor der WM auch 26 Spieler mit ins Trainingslager genommen, das war total falsch. Er hat es bereut, weil er vier Spielern vor dem Abflug eine Absage erteilen musste."

Abflug ins WM-Quartier nach Miyazaki wird am 22. Mai sein. Vor dem ersten WM-Vorrundenspiel am 1. Juni in Sapporo gegen Saudi-Arabien stehen gegen Kuwait am Donnerstag in Freiburg (20.30 Uhr/live im ZDF), am 14. Mai gegen Wales in Cardiff (20.45 Uhr/live in der ARD) und am 18. Mai in Leverkusen gegen Österreich (19.00 Uhr/live im ZDF) noch drei Länderspiele an.

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