24-Jährige schwimmt auf Erfolgswelle
„Franzis" Problem: Zu schnell für das Karriereende

Ich höre auf, ich mache weiter, ich höre auf, ich mache weiter: Franziska van Almsick hat ein Problem. Die Berlinerin ist zu schnell, um aufhören zu können. Selbst wenn sie vorgehabt hat, am Samstag mit Weltrekord über ihre Lieblingsstrecke 200 m Freistil "Tschüs" zu sagen: Das geht kaum noch.

dpa BERLIN. "Es passt im Moment so perfekt, wie es noch nie in meinem Leben zusammen gepasst hat." Sie ist mit 24 motiviert wie lange nicht mehr. Und selten wurde sie von ihren Fans so verehrt. "In den zehn Jahren meiner Karriere habe ich noch nie so viel Beifall und Zustimmung bekommen." Aber sie weiß, wie es ist, wenn man auf der anderen Seite des Glücks steht. "Ich habe Angst, dass dieser Zustand schnell wieder verschwindet."

"Ich hoffe, sie macht weiter", sagt Trainer Norbert Warnatzsch. Er hat Franziska in die Weltelite zurückgeführt, hat ihr nach der Olympia-Pleite von Sydney, nach vielen Verletzungen und Demütigungen den Glauben an sich selbst zurück gegeben. "Er gibt mir den letzten Kick", sagte "Franzi" nach ihrem Triumph über 100 m Freistil, "es gab schon Zeiten, wo ich nicht mehr geglaubt habe, persönliche Bestzeiten zu schwimmen. Es ist ein unglaubliches Gefühl, nach neun Jahren wieder Bestzeit zu schwimmen. Im Moment könnte ich Bäume ausreißen."

Am Donnerstag nahm sie sich eine Auszeit, sagte für die 100 m Schmetterling ab. "Ich sehne mich nach einem freien Tag. Schon nach zwei Tagen habe ich mich gefühlt, als wäre ein Lastzug über mich hinweg gefahren." Alle Konzentration gilt den 200 m. "Nach den 100 m sieht das schon nicht schlecht aus. Aber das ist keine Sache, die ich so runterspulen kann." Und sie erinnert sich sieben Jahre zurück: "In Wien war ich bei der EM auch in Topform - und habe mich im Vorlauf rausgeschwommen.

Der erste EM-Einzeltitel seit 1995 hatte sie nach zwei Mal Staffel-Gold richtig glücklich gemacht. "Es war heute der erste Tag, an dem ich ganz allein vorne stand und mich nicht hinter drei Staffelkolleginnen verstecken konnte." Es war geschafft.

Ein neuer Verein, eine reine Männergruppe als Trainingspartner, ein neuer Trainer und Freund Stefan Kretzschmar, als Handballer von Champions-League SC-Gewinner Magdeburg selbst Leistungssporter, dazu die Familie: Das Umfeld stimmt. Oder, wie "Franzi" sagt, "das Puzzle passt." Franziska van Almsick hat ihre innere Ruhe gefunden. Sie ist mit sich im Reinen. Wenn alle anderen schon gespannt am Startblock stehen, liegt sie noch auf dem Boden, konzentriert sich. "Im Moment bin ich sportlich wieder auferstanden."

Wie sollte sie aufhören, wo es wieder so richtig Spaß macht? Der Erfolg ist kurzweilig, sie weiß das nur zu gut. Und "Geld allein macht nicht glücklich", hat die Werbemillionärin mal gesagt. Aber die Herausforderung, in Athen 2004 zum vierten Mal nach Barcelona 1992, Atlanta 1996 und Sydney 2000 an Olympischen Spielen teilzunehmen, ist groß. "Franzi" träumt immer noch den Traum vom fehlenden Olympia- Gold. Dann könnte sie guten Gewissens "Tschüs" sagen.

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