24 Jahre Haft für Ex-Ministerpräsidenten
Nach Andreotti-Urteil: Berlusconi fordert Justizreform

Der Schuldspruch und die Verurteilung des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Giulio Andreotti hat bei prominenten Vertretern aus Politik und Kirche in Italien Empörung ausgelöst. Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der selbst schon in verschiedenen Verfahren vor Gericht erscheinen musste, forderte am Sonntag als Konsequenz eine umfassende Reform des italienischen Justizwesens.

Reuters ROM. Ein italienisches Gericht hatte den ehemaligen Ministerpräsidenten Giulio Andreotti wegen Beteiligung an einem Mordkomplott zu 24 Jahren Haft verurteilt. Bei dem Fall ging es um den 1979 ermordeten Journalisten Mino Pecorelli. In einem Verfahren vor drei Jahren war Andreotti von dem Vorwurf der Komplizenschaft noch freigesprochen worden.

Der Staatsanwaltschaft zufolge hatten Andreottis Berater zusammen mit Mafia-Mitgliedern die Ermordung Pecorellis in Auftrag gegeben, weil dieser für Andreotti belastende Informationen veröffentlichen wollte. Der 83-Jährige Andreotti, der auch den Vorwurf jeglicher Mafia-Kontakte stets bestritten hat, wird gegen das Urteil Berufung einlegen.

"Ich habe immer der Justiz vertraut und ich vertraue ihr auch weiterhin, selbst wenn ich es an einem solchen Abend schwer finde, eine solche Absurdität zu akzeptieren", teilte Andreotti in einer Erklärung mit. Der siebenfache Ministerpräsident und Senator auf Lebenszeit hatte die Vorwürfe gegen ihn stets als politisch motiviert zurückgewiesen.

Die Richter in Perugia hatten sich am Freitag zu Beratungen zurückgezogen, jedoch bis zum Sonntagabend gebraucht, um eine Entscheidung finden. Die Einzelheiten des Urteils sollen erst zu einem späteren Zeitpunkt offiziell bekannt gegeben werden.

Auch Kirchenvertreter äußerten sich über das Urteil betroffen und erklärten ihre Sympathie für den einstigen Spitzenpolitiker und mächtigsten Mann der italienischen Christdemokraten. Kardinal Fiorenzo Angelini verglich Andreotti sogar mit Jesus Christus, indem er erklärte: "Zweifelsohne wird es am Ende eine Wiederauferstehung geben."

Im Berufungsverfahren Andreottis wird lediglich über die Rechtmäßigkeit des bisherigen Verfahrens entschieden. Wenn das Urteil an eine andere Instanz zurück verwiesen wird, kann die Entscheidung weitere Jahre dauern. Auf keinen Fall muss Andreotti ins Gefängnis, da er bereits über 75 Jahre alt ist. Schlimmstenfalls muss Andreotti mit einem Hausarrest rechnen, aber auch das nicht, bevor der Berufungsweg ausgeschöpft ist. Von dem Vorwurf der Kollaboration mit der Mafia war Andreotti bereits 1999 von einem Gericht in Palermo freigesprochen worden.

Im Fall des Mordkomplotts gegen den Journalisten Pecorelli wurde auch der Mafia-Boss Gaetano Badalamenti schuldig gesprochen. Badalamenti sitzt zur Zeit in den USA eine Strafe wegen seiner Funktion im Verbrecher-Syndikat der sogenannten "Pizza Connection" ab. Der Mörder des Journalisten ist bis heute unentdeckt geblieben. Bei dem Verfahren gegen Andreotti spielte ein ehemaliges Mafia-Mitglied, das als Zeuge der Anklage auftrat, eine wichtige Rolle.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%