25-Jähriger wirkt müde und traurig
Ronaldo droht die Ersatzbank

Dem großen Ronaldo droht die Reservistenrolle. "Wenn Du nicht besser deckst und läufst, gehst Du auf die Bank", rügte Brasiliens Coach Luiz Scolari den 25-jährigen Angreifer beim letzten Training im südkoreanischen Ulsan vor dem WM- Auftakt gegen die Türkei öffentlich.

dpa ULSAN/SÜDKOREA. Der Stürmer von Inter Mailand findet nach zweijähriger Spielpause wegen schwerster Knieverletzungen und anschließenden Muskelproblemen auch nach den jüngsten Trainingseindrücken einfach nicht zur alten Form zurück.

"Setzt viel Geld auf mich, ihr werdet Millionäre", hatte Ronaldo noch vor wenigen Wochen getönt. Knapp 24 Stunden vor dem ersten Spiel des viermaligen Weltmeisters wirkt der in den Slums von Rio aufgewachsene Mann nicht nur übergewichtig, behäbig und schussschwach. Auch sein traditionelles Lausbubenlächeln sieht man in Ulsan immer seltener. Er hüllt sich in Schweigen, versteckt sich im Zimmer. Für Journalisten hat er nur ein paar Silben übrig. "Ich will nur Tore schießen und die Vergangenheit vergessen." Freunde berichten, dass er sehr viel mit Mutter Sonia und Vater Nelio telefoniert.

"Feldwebel" Scolari macht derweil kein Hehl daraus, dass "sich keiner meiner Spieler nur mit dem Namen einen Stammplatz sichern wird". Es gebe keinen Star, der nicht zum Wohle der Mannschaft ausgewechselt werden könne, sagt er klipp und klar. Ronaldo wird vor allem von den formstarken Luizao und Denilson bedrängt.

Ronaldo Nazario de Lima, wie der Stürmer mit bürgerlichem Namen heißt, war daheim in Brasilien schon kurz nach seinem Profi-Debüt mit 15 Jahren bei Cruzeiro Belo Horizonte als Nachfolger der Legende Pele gefeiert worden. Bei seiner ersten WM-Teilnahme 1994 in den USA kam er aber beim vierten brasilianischen Titelgewinn nicht zum Einsatz. Nach sensationellen Gastspielen beim PSV Eindhoven und dem FC Barcelona wurde er Mitte der 90er Jahre zwei Mal zum Weltfußballer des Jahres gewählt. Bei der WM 1998, die seine Karriere krönen sollte, erlitt er kurz vor dem Endspiel gegen Gastgeber Frankreich (0:3) einen mysteriösen Schwächeanfall, der bis heute nicht 100- prozentig geklärt ist.

"Ich habe mir die Aufzeichnung des Spiels nicht angeschaut, werde das nie tun", sagt Ronaldo immer wieder. Ärzte sagten, sein Einsatz im Finale sei lebensgefährlich gewesen. Kritiker meinen, Ronaldo werde mit dem ganz großen Druck nicht fertig. Für die brasilianische Nachrichtenagentur "Folha" geht es für ihn nun in Südkorea und Japan um "Alles und Nichts": "Er schreibt seine endgültige Geschichte."

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