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25 Jahre Mercedes S-Klasse W126

Stuttgart (dpa/gms) - Wann ist ein Auto von «Gestern» und wann von «Heute»? Eine Antwort darauf gibt der Mercedes-Benz W126: Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich die 1979 eingeführte Generation der S-Klasse, ein Symbol für eine große Zeitenwende im Automobilbau.

Stuttgart (dpa/gms) - Wann ist ein Auto von «Gestern» und wann von «Heute»? Eine Antwort darauf gibt der Mercedes-Benz W126: Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich die 1979 eingeführte Generation der S-Klasse, ein Symbol für eine große Zeitenwende im Automobilbau.

Im September ist es 25 Jahre her, dass Mercedes das neue Top-Modell ins Scheinwerferlicht rollte. Schon auf den ersten Blick zeigte der Neue, dass man sich von Gewohntem zu verabschieden hatte. Das galt zum Beispiel für die Stoßfänger. Die waren zu dieser Zeit meist noch echte Stoßstangen. Die Vorgänger-S-Klasse trug sie gar doppelt übereinander. Beim 126er zeigten sich dagegen an Front und Heck auffällige Schürzen aus Kunststoff, die weit herunter reichten.

Außerdem waren die Schürzen ein wichtiger Bestandteil der gesamten Fahrzeugform. Das ging so weit, dass Designer Bruno Sacco sie nicht nur an Front und Heck sehen wollte, sondern sie mit einem Kunstgriff um die gesamte Karosserie herumführte: Im unteren Bereich der Türen kam eine in identischen Grautönen gehaltene Kunststoffbeplankung zum Einsatz. Was bei manchen Betrachtern nicht wirklich für Begeisterung sorgte - alsbald wurde abfällig von Sacco-Brettern gesprochen.

Das gesamte Erscheinungsbild der S-Klasse machte deutlich, dass mit der Einführung die teils recht barocke Formgebung der siebziger Jahre ein Ende fand. Das Modell 126 zeigte sich glatt und vernünftig. Was auch daran lag, dass die Konstrukteure ihre Arbeit zu einer Zeit aufgenommen hatten, als alle Welt von der Ölkrise sprach. Neue Autos durften nicht mehr ungehemmt Kraftstoff konsumieren. Die Begriffe Leichtbau und geringer Luftwiderstand beherrschten die Entwicklung.

Als wirkliche Leichtgewichte konnten die 1,6 bis 1,7 Tonnen wiegenden Limousinen zwar nicht durchgehen. Immerhin hatte man es aber geschafft, die Verbrauchswerte im Vergleich zum Vorgänger um zehn Prozent zu senken. Und das, obwohl zwei Achtzylinder der vorherigen S-Klasse in überarbeiteter Form und mit mehr Hubraum weiter ihr Werk verrichten durften und die Vergaser- und Einspritz-Versionen des 2,8-Liter-Sechszylinders unverändert im Motorraum Platz fanden.

Doch unterm Blech gab es auch Richtung weisende Neuerungen. So weist Mercedes heute nicht ohne Stolz darauf hin, dass die Baureihe 126 als erstes Serienfahrzeug überhaupt den so genannten Offsetcrash überstand - einen versetzten Frontalaufprall mit Tempo 55. Ganz zu schweigen davon, dass der große Mercedes als Pionier in Sachen Airbag gilt: 1981 präsentierte Mercedes als erster Hersteller Gurtstraffer und Airbag und bot sie noch im selben Jahr in der S-Klasse an. Ein Antiblockiersystem (ABS) konnte man ebenfalls bekommen.

Neben der Sicherheit rückte der Schadstoffausstoß im Laufe der Bauzeit weiter in den Vordergrund. Bereits im Herbst 1981 wurde das beim «Mercedes-Benz Energiekonzept» mit Maßnahmen zur Verbrauchs- und Schadstoffreduzierung deutlich. 1985 erhielt die S-Klasse neben einer optischen Auffrischung auf Wunsch auch Dreiwege-Katalysatoren, auf die allerdings ausgerechnet Käufer der neu eingeführten Top-Version 560 SE mit 300 PS starkem Achtzylinder-Motor verzichten mussten.

Serienmäßig gab es die sauberen Abgase anfangs nicht. Von den Bändern rollten die Fahrzeuge vielmehr als so genannte RÜF-Version. Die Abkürzung bedeutet nichts anderes als Rückrüstfahrzeug. Ein Auto also, das jederzeit - und natürlich gegen entsprechende Bezahlung - mit Katalysator und Lambda-Sonde nachgerüstet werden konnte. Von September 1986 an lieferte Mercedes dann alle Fahrzeuge der verschiedenen Baureihen serienmäßig mit Katalysatoren aus.

Alles in allem hat die Menge an modernen Zutaten dazu geführt, dass noch heute kaum jemand die bis 1992 exakt 818 036 Mal gebaute Baureihe W126 als Klassiker ernst nimmt. Obwohl frühe Modelle bereits vor fünf Jahren jenes Alter erreicht haben, in dem sie mit dem roten «07»er-Kennzeichen der mindestens 20 Jahre alten Autos auf die Straßen dürfen. Und schon in rund fünf Jahren werden sie mit einem Oldtimer-Kennzeichen betrieben werden können - jedenfalls, wenn der Dreh am Zündschlüssel dann noch den gewünschten Effekt hat.

Denn so ganz nebenbei steht das Auto auch für den verstärkten Einzug der Elektronik. Gerade wenn es auf dem Gebiet mal hakt, kann guter Rat aber teuer sein. Laut der in Mainz erscheinenden Zeitschrift «Oldtimer-Markt» ist beispielsweise Ersatz für defekte Zündsteuergeräte schwer zu bekommen. So wird der künftige Klassiker schnell zum Standobjekt - auch das ist ein Symbol der Zeitenwende.

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