25 Millionen Dollar Kopfgeld
Rätselraten um Bin Ladens Schicksal hält an

Über ein Jahr nach den Anschlägen in den USA bleibt der meistgesuchte Mann der Erde spurlos verschwunden: Obwohl die USA im vergangenen Jahr ein immer engeres Netz in Afghanistan um Osama bin Laden gespannt hatten, ist er offenbar entkommen. Auf seinen Kopf sind 25 Mill. Dollar ausgesetzt.

Reuters ISLAMABAD. Die afghanische Regierung sagt, der Moslem-Extremist sei wohl nach Pakistan geflohen. Die Regierung in Islamabad wiederum betont, sie habe keine Hinweise darauf. Bin Laden halte sich offenbar noch immer in Afghanistan versteckt. Die meisten pakistanischen Experten meinen, dass der Extremist noch lebt. "Ich denke immer noch, dass er am Leben ist und nicht auffallen will", sagt Autor und Afghanistan-Kenner Ahmed Rashid.

Bin Ladens Tod hätte sich in der Fundamentalisten-Szene herumgesprochen, meint Rashid. "Diese Gruppen in Pakistan könnten das nicht geheim halten." Auch der US-Geheimdienst hätte nach eigener Darstellung Funksprüche aufgefangen, wenn Bin Laden bei den Bombenangriffen auf die Bergfestung Tora Bora in Afghanistan getötet worden wäre.

Letztes Interview im November

Der pakistanische Journalist Hamid Mir zweifelt ebenfalls daran, dass Bin Laden in Tora Bora war. Mir hatte im November vergangenen Jahres das wahrscheinlich letzte Interview mit dem Extremisten geführt. Als er Bin Laden gefragt habe, ob er sich in Tora Bora verstecken werde, habe dieser geantwortet: "Glauben Sie wirklich, dass ich so dumm bin?" Zum Zeitpunkt des Interviews war bereits öffentlich bekannt, wo sich die Bergfestung befindet. Immer wieder gibt es Berichte, wo Bin Laden gesehen worden sein soll - etwa bei einer Hochzeitsfeier in Ostafghanistan im März. Doch Beweise, dass Bin Laden noch am Leben ist, fehlen. Experten halten es indes nicht für ausgeschlossen, dass der Extremist noch lebt und nur vorübergehend untergetaucht ist. "Er kann nicht lange still halten. Er liebt es, auf dem Bildschirm präsent zu sein", sagt der pakistanische Zeitungsjournalist und Afghanistan-Experte Rahimullah Yusufzai. Möglicherweise hätten ihn seine Gefolgsleute überredet, eine Weile abzutauchen.

Nach Meinung vieler Experten ist Bin Laden - falls er noch lebt - immer noch der Anführer seiner mittlerweile stark geschwächten Gruppe El Kaida. Die Mitglieder der radikal-islamischen Gruppe sind in Pakistan und der ganzen Welt verstreut. Doch El Kaida sei noch immer für böse Überraschungen gut. "Ihre militärische Macht in Afghanistan ist zerschlagen, aber ihre Terrormacht ist weltweit noch immer vorhanden", sagt Rashid. Trotzdem seien viele El-Kaida-Aktionen vereitelt worden. Vielleicht habe Bin Laden nicht mehr so viel Verantwortung wie früher in der El Kaida und keinen regelmäßigen Kontakt mehr zu ihren Mitgliedern. Doch er könnte sie immer noch von der Ferne aus fördern. "Die Leute in Pakistan ziehen die Fäden", sagt Rashid. "Sie sind gut genug ausgebildet, um auch ohne ihn die Aktivitäten zu koordinieren."

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