25 Millionen Kabelanschlüsse als Vertriebsplattform für TV-Programme
In den USA kontrolliert Malone keine Kabelnetze

Der Chef von Liberty Media, John Malone, gehört neben dem Australier Rupert Murdoch und Ted Turner zu den wichtigsten Medienbossen in den USA. Während sich Turner weitgehend zurückgezogen hat, tritt Malone nach der Liberty-Abspaltung von AT&T nun als aggressiver Vermarkter von Inhalten auf.

PALO ALTO. Freunde und Feinde sind sich einig: John Malone ist ein aggressiver Geschäftemacher, ein "Wheeler-Dealer" - also einer, der ein großes Rad dreht im Geschäft mit dem Fernsehen. Bis zum Verkauf seines Kabelnetzbetreibers TCI vor drei Jahren für 44 Mrd. $ an AT&T war der heute 60-Jährige der TV-Kabelkönig der Vereinigten Staaten. Mit 12,5 Millionen Haushalten war TCI der größte Kabelfernseh-Anbieter. Seither kaufte Malone Kabel-Beteiligungen in Europa, Japan und Lateinamerika. In Deutschland will er von der Deutschen Telekom 60 % der Kabelnetze für 5,5 Mrd. Euro erwerben - wenn das Bundeskartellamt dem bis Anfang Januar zustimmt.

In den USA kontrolliert Malone seit dem TCI-Verkauf keine Kabelnetze mehr. Alle Versuche, ins Satellitenfernsehen einzusteigen scheiterten. Doch in der US-Presse halten sich hartnäckig Gerüchte, Malone könnte wieder in das Geschäft zurückkehren, seitdem sich alle größeren US-Kabelgesellschaften ein Bietergefecht um die AT&T-Sparte liefern. Allerdings ist Malone, dessen Unternehmen Liberty Media im August dieses Jahres von AT&T abgespalten wurde, bisher kein offizieller Bieter gegen AOL Time Warner, Comcast oder Cox.

Liberty Media mit Sitz in dem Denver-Vorort Englewood ist heute ein mächtiger Player im Finanz- und Inhalte-Geschäft der US-Medien. Reichlich Bar- und Aktienvermögen sowie eine Reihe größerer Beteiligungspakete an TV-Stationen im US-Kabelnetz machen John Malone zu einem gefürchteten Konkurrenten, wenn es um die Vermarktung von Inhalten auf dem Weltmarkt geht.

Malone sammelt Firmenbeteiligungen wie andere Briefmarken

Wie andere Menschen Briefmarken, sammele Malone Firmenbeteiligungen, schildert der Informationsdienst ZDnet die Liberty-Strategie. Die Beteiligungen reichen vom Shoppingkanal QVC (43 %) über den Lern- und Abenteuersender Discovery Channel (49 %) bis zu Rupert Murdochs Fernseh- und Zeitungsimperium News Corp. (18 %).

US-Branchenbeobachter sind sich einig: Es sind die Fernsehprogramme, die Malone mit seiner von gerade mal 40 Mitarbeitern in Denver betriebenen Firma weltweit versilbern will. Wieweit sich der gewiefte Geschäftemacher dabei auf den notwendigen Aufbau einer breitbandigen Infrastruktur einlässt, ist fraglich. US-Branchenbeobachter meinen, dass Malone TCI genau zu dem Zeitpunkt an AT&T verkaufte, als größere Investitionen in den breitbandigen Ausbau der Netze anstanden. Anschließend kritisierte Malone AT&T-Chef Michael Armstrong dafür, dass er neben Fernsehen über das Kabel auch Internet und Telefonie anbieten wollte: Der Ausbau sei viel zu teuer.

Überhaupt hatte Armstrong wenig Freude an der Zusammenarbeit mit Malone. Malone beschimpfte Armstrong in aller Öffentlichkeit, nachdem er durch den sinkenden AT&T-Kurs 1 Mrd. $ verloren hatte. Als Abschiedsgeschenk verpasste Malone bei der Abspaltung von Liberty-Media Armstrong noch eine Klage im Streitwert von 44 Mill.$: Diese Summe schulde AT&T dem Premium-Dienst Starz-Encore (Spielfilme) von Liberty.

Standard für Settop-Boxen spielt in den USA bisher keine Rolle

Die in Deutschland diskutierte Frage nach einem Standard für Settop-Boxen spielt in den USA bisher keine Rolle. Allerdings hat sich der Kabelbetreiberverband Cablelab, dessen Aufsichtsrat Malone führt, kürzlich dafür entschieden, künftig den europäischen Standard MHP in allen digitalen Settop-Boxen verwenden zu wollen, was Malone in Deutschland bisher strikt ablehnt.

Bisher allerdings gehört in den USA die Nutzung der Box zum Kabelvertrag, wobei die Kabelanbieter ihre jeweiligen Geräte dem Kunden kostenlos zur Verfügung stellen. Der Kabelnetzbetreiber, der für seine Netze über ein Gebietsmonopol verfügt, stellt zudem die Programme zusammen und vermarktet sie.

In den USA gibt es acht frei empfangbare Programme. Das Basis-Paket der Kabelnetzbetreiber mit etwa 70 Programmen kostet in der Regel 40 $, darüber hinaus gibt es Premiumkanäle für jeweils 10 $. Angebote, einzelne Filme oder Sendungen zu verkaufen (pay-per-view) waren bisher wenig erfolgreich - außer bei Sport-Ereignissen.

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