250 000 Menschen säumen Trauerzug
"Queen Mum" nach Westminster Hall überführt

Rund eine viertel Million Menschen haben am Freitag in London an einem prunkvollen Trauerzug zum Tod der britischen Königinmutter teilgenommen. Ihr Sarg wurde in die Westminster Hall gebracht, wo die Briten bis Montag Abschied von der beliebten "Queen Mum" nehmen können.

Reuters LONDON. Begleitet von rund 1 600 Soldaten und unter den Augen von schätzungsweise 200 Millionen Fernsehzuschauern in aller Welt zogen Pferde den Sarg auf einer Geschützlafette vom St. James Palast nach Westminister Hall. Dort wurde er anschließend aufgebahrt. An der Spitze des gut eine halbe Stunde dauernden Zuges gingen Thronfolger Prinz Charles sowie dessen Söhne Prinz William und Prinz Harry. Die von militärischem Pomp geprägte Prozession gilt als das größte Spektakel seiner Art seit den Trauerfeierlichkeiten für Großbritanniens Premierminister Winston Churchill im Jahr 1965.

Die am Ostersamstag im Alter von 101 Jahren gestorbene "Queen Mum" soll am Dienstag auf Schloss Windsor beigesetzt werden. Sie war das beliebteste Mitglied der britischen Königsfamilie. Die meisten Trauernden am Straßenrand falteten still die Hände, als der Zug an ihnen vorüberzog. Auf dem in eine Fahne gehüllten Sarg lag eine mit Diamanten besetzte Krone, die "Queen Mum" 1937 bei der Krönung ihres geliebten Mannes König George VI. getragen hatte, an dessen Statue die Prozession vorbei führte. Den Sarg schmückte auch ein weißer Blumenkranz mit der Inschrift "In liebevollem Gedenken", gezeichnet mit Lilibet, dem Kosenamen von Königin Elizabeth II.

Viele Menschen nutzten bei sonnigem Frühlingswetter ihre Mittagspause, um den Marsch vom Straßenrand zu verfolgen. Einige besonders überzeugte Anhänger der Monarchie hatten über Nacht am Rande der Strecke campiert, um sich einen Platz in der ersten Reihe zu sichern. Auch etliche Touristen verfolgten den Trauerzug. "Wir lieben die Königlichen ebenso wie die Engländer", sagte Helen Reid aus Kanada. "Es ist ein trauriger, aber irgendwie auch ein schöner Tag."

"Queen Mum" hatte ihr Volk während des Zweiten Weltkrieges zusammengeschweißt und war damit zu einem Symbol des britischen Widerstandes gegen Hitler-Deutschland geworden. Es wird erwartet, dass in den kommenden Tagen mehrere hunderttausend Menschen der Monarchin in der Westminister Hall die letzte Ehre erweisen werden. Als erste traten am Freitag Premierminister Tony Blair, Oppositionsführer Iain Duncan Smith sowie die frühere Regierungschefin Margaret Thatcher an den Sarg, der auf einem knapp zwei Meter hohen und mit einem purpurfarbenen Stoff bedeckten Podest steht.

Prinzessin Anne, eine Enkelin der Verstorbenen, brach das königliche Protokoll, indem sie sich dem Trauerzug anschloss. Normalerweise zeigen nur die männliche Mitglieder der Königsfamilie in dieser Weise öffentliche Trauer. Doch auch die 51-Jährige Anne erwies ihrer Großmutter die letzte Ehre, als der Sarg in die Westminister Hall getragen wurde.

Schmerzhafte Erinnerungen

Während des Trauerzuges waren viele Augen auf die Urenkel Prinz William und Prinz Harry gerichtet. Sie riefen schmerzhafte Erinnerungen an einen früheren königlichen Trauerzug wach, als sie im Herbst 1997 hinter dem Sarg ihrer bei einem Autounfall ums Leben gekommenen Mutter Prinzessin Diana liefen. Der damals sehr reserviert aufgetretenen Königsfamilie war vorgeworfen worden, zumindest öffentlich kaltherzig auf den Tod der beim Volk sehr beliebten Prinzessin reagiert zu haben.

Diesmal bemühte sich die Familie, einen Eindruck der Unnahbarkeit zu vermeiden. Königin Elizabeth begrüßte am Donnerstag persönlich Trauernde, die vor den Toren Windsors Blumen niedergelegt hatten. Sie sagte: "Meine Mutter hat 101 Jahre gelebt und damit ein bedeutendes Alter erreicht - sie hatte ein wundervolles Leben."

Für die 75 Jahre alte Königin war der Tod ihrer Mutter der zweite Trauerfall innerhalb kurzer Zeit. Vor sieben Wochen war ihre Schwester Prinzessin Margaret gestorben. Als die Königin am Freitag nach dem Trauerzug in einem Rolls-Royce zurück in den Buckingham-Palast fuhr, applaudierten ihr Passanten am Straßenrand. Die Totenwache am Sarg der Königinmutter wollen in den kommenden Tagen zeitweise die Enkel der Verstorbenen, die Prinzen Charles, Andrew, Edward und Lord Linley, übernehmen.

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