25 000 Passagiere betroffen
Verdi bestreikt Flughäfen

Im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes hat die Gewerkschaft Verdi erstmals auch Flughäfen bestreikt und damit vor der neuen Verhandlungsrunde am Mittwoch den Druck auf die Arbeitgeber deutlich erhöht.

Reuters FRANKFURT. Die vom Tarifkonflikt nicht direkt betroffene Lufthansa strich wegen der Warnstreiks am Dienstag nach Angaben einer Sprecherin europaweit rund 300 Flüge und forderte die etwa 25 000 betroffenen Passagiere auf, auf die Bahn umzusteigen. Allein am größten deutschen Flughafen in Frankfurt fielen wegen des Ausstandes von Mitarbeitern der Gepäckabfertigung und der Flughafen-Feuerwehr rund 170 Flüge aus, bei zahlreichen Langstreckenflügen gab es Verspätungen. Die meisten Passagiere reagierten gelassen und ließen sich beim Warten in der Abflughalle von der Lufthansa mit Kaffee und belegten Broten versorgen. Verdi-Chef Frank Bsirske verteidigte die Warnstreiks als Signal an die Arbeitgeber, ein Angebot vorzulegen.

Verdi verlangt für die Arbeiter und Angestellten bei Bund, Ländern und Gemeinden mindestens drei Prozent mehr Lohn und Gehalt. Die Verhandlungen gehen am Mittwoch in Kassel in die für den weiteren Verlauf des Konflikts wahrscheinlich entscheidende Runde. Am Donnerstag tritt ebenfalls in Kassel die Bundestarifkommission der Gewerkschaft zusammen, die über das Scheitern der Verhandlungen entscheiden kann. Die öffentlichen Arbeitgeber streben mit Blick auf die leeren Staatskassen eine Nullrunde an.

Fast alle Groß-Flughäfen betroffen

Betroffen waren von den Warnstreiks und deren Auswirkungen am Dienstag die Flughäfen in Frankfurt, München, Stuttgart, Düsseldorf, Köln-Bonn, Hamburg und Hannover. Auch der öffentliche Nahverkehr wurde in mehreren Bundesländern, darunter Nordrhein-Westfalen, erneut bestreikt. Allein in den großen Städten in Baden-Württemberg seien mehrere hundert Busse und Bahnen erneut in den Depots geblieben, teilte Verdi mit. Vor dem niedersächsischen Finanzministerium in Hannover blockierten während einer Kundgebung mit rund 2000 Teilnehmer mehr als 100 Fahrzeuge der städtischen Müllabfuhr die Straße. Falschparker konnten von den Warnstreiks in Mülheim an der Ruhr profitieren, wo 25 Politessen die Arbeit niederlegten.

Bei der Lufthansa fielen hauptsächlich Inlandsflüge aus. In der Abflughalle in Frankfurt kümmerten sich Betreuer der Fluggesellschaft um gestrandete Passagiere, informierten sie über Umsteigemöglichkeiten auf die Bahn und Angebote, das Gepäck nachzuschicken. "Es ist eine Katastrophe - und das an einem der verkehrsreichsten Tage des Jahres", sagte eine Lufthansa-Sprecherin. Trotz des Warnstreiks brach in den beiden Terminals des Frankfurter Flughafens kein Chaos aus. Die meisten Passagiere reagierten gelassen, einige äußerten Verständnis für die Streikenden. "Streik ist ein legitimes Mittel. Aber hoffentlich einigen sie sich bald - zumindest auf dem Rückweg am Donnerstag wollen wir fliegen", sagte ein Abreisender, der am Dienstag auf die Bahn ausweichen musste.

Langstreckenflüge nicht gestrichen

Langstreckenflüge wurden nach Lufthansa-Angaben nicht gestrichen, aber auf den frühen Nachmittag verlegt, um den Passagieren auch ohne Zubringerflüge die Chance zu geben, ihr Flugzeug zu erreichen. Die Lufthansa befürchtet einen Schaden in Millionenhöhe durch den Warnstreik und hatte Verdi noch am Montag scharf kritisiert. In einem offenen Brief erinnerten Lufthansa-Chef Jürgen Weber und der übrige Unternehmensvorstand den Verdi-Vorsitzenden Bsirske daran, dass er zugleich stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Gesellschaft ist. Es dürfe nicht sein, dass die Lufthansa als unbeteiligte Partei in dem Tarifstreit zur Hauptgeschädigten des Warnstreiks werde.

Der Verdi-Vorsitzende Bsirske nannte die Warnstreiks dagegen ein Signal der Geschlossenheit der Beschäftigten, mindestens drei Prozent mehr durchzusetzen. Die Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes wollten von der Einkommensentwicklung in der Privatwirtschaft nicht abhängt werden, sagte Bsirske Reuters-TV auf dem bestreikten Düsseldorfer Flughafen. Sollten die Tarifverhandlungen und die anschließende Schlichtung scheitern, "Wird es zu einem großen Streik im öffentlichen Dienst kommen".

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