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3:0 in Japan: Erster DFB-Sieg auf der Asien-Reise

Die Spieler waren erleichtert und stolz auf sich, der Bundestrainer so euphorisch wie nie zuvor in seiner kurzen Amtszeit.

dpa YOKOHAMA/BUSAN. Die Spieler waren erleichtert und stolz auf sich, der Bundestrainer so euphorisch wie nie zuvor in seiner kurzen Amtszeit.

Auf dem Nachtflug von Tokio nach Südkorea genoss das deutsche Nationalteam den eben errungenen 3:0-Sieg über Asienmeister Japan in losgelöster Atmosphäre. "Da wächst etwas Tolles heran", frohlockte Jürgen Klinsmann und bewertete die zuvor viel kritisierte Fernost-Tour schon nach dem ersten der drei Testspiele als Erfolg.

"Es ist vor allem toll, wie sich die Mannschaft weiterentwickelt hat, wie sie neue Spieler integriert hat, wie sie sich über Schwierigkeiten gequält hat und letztlich verdient gewonnen hat", meinte der 40-Jährige. Als Belohnung strich der Bundestrainer kurzerhand das vorgesehene Training und setzte stattdessen Bewegungstherapie im Fitness-Center des Team-Hotels auf den Terminplan.

Auf dem Zwei-Stunden-Trip nach Busan, wo gegen WM-Halbfinalist Südkorea der zweite Streich folgen soll, analysierte Klinsmann in Reihe G8 - eingerahmt von Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff und Assistenzcoach Joachim Löw - bis zur Landung den eben bestandenen Charaktertest. Exakt 900 Tage nach dem verlorenen Weltmeisterschafts-Finale gegen Brasilien feierte das DFB-Team eine erfolgreiche Rückkehr in die WM-Arena von Yokohama. Vor 61 805 Zuschauern im "International Stadium" erzielten Miroslav Klose (54./90.+2)) mit seinen Länderspiel-Toren Nummer 19 und 20 und der zum ersten Mal unter Klinsmann erfolgreiche Michael Ballack (69.) die Treffer zu einem hoch verdienten Sieg.

Jetlag und Reisestrapazen zum Trotz ließ die deutsche Mannschaft auch im fünften Länderspiel seit seiner Amtsübernahme mit Schwung und Spielfreude die Handschrift Klinsmanns erkennen, blieb zum dritten Mal in Serie ohne Gegentor. Wie zuletzt beim 3:0 gegen Kamerun drehte das Team nach durchwachsener erster Hälfte auf und zwang den Gegner mit spielerischen Mitteln in die Knie.

Nachdem der Bundestrainer mit dem Einsatz von Patrick Owomoyela und Christian Schulz als Debütanten Nummer fünf und sechs in der Startelf ein weiteres Beispiel seiner Experimentierfreude geliefert hatte, schickte er in der 77. Minute mit dem Lauterer Marco Engelhardt einen weiteren Neuling ins Rennen. "Riesenkompliment, sie haben ihre Sache klasse gemacht", jubilierte Klinsmann und lobte zugleich auch die Führungsspieler: "Man sieht, dass die Chemie in der Mannschaft passt. Auch wie die erfahrenen Spieler den Neulingen unter die Arme griffen, ist toll."

Oliver Kahn konnte jenen Ort, an dem er vor zwei Jahren einen der bittersten Momente seiner Fußballer-Karriere erlebt hatte, mit einem guten Gefühl verlassen. Der Torhüter, dessen Freundin Verena mit ihrem Eintreffen in Japan für Verwunderung und Gesprächsstoff im Mannschaftskreis gesorgt hatte, bestand die wenigen Prüfungen in seinem 75. Länderspiel. Lediglich bei einer nach vorn abgewehrten Flanke von Akira Kaji (27.) verriet der Münchner eine leichte Unsicherheit. "Ich weiß nicht, ob mich das noch motiviert, dieser Wahnsinnsdruck, der auf einen Menschen ausgeübt wird", sagte der 35-Jährige mit Blick auf die jüngsten Schlagzeilen um seine Person: "Ich versuche, Spaß am Spiel zu haben."

Den hatten seine Vorderleute bestimmt und die Japaner nicht. In den stärksten Phasen der deutschen Mannschaft zeigte sich vor allem Ballack sehr spielfreudig. "Er zeigt nicht nur auf dem Platz seine dominierende Figur, sondern auch außerhalb. Es macht großen Spaß, das zu sehen", lobte Klinsmann seine Führungsfigur. Der Münchner, der das WM-Finale 2002 gegen Brasilien wegen einer Gelb-Sperre verpasst hatte, vergab zwar die beiden besten Chancen der ersten Hälfte, erzielte aber dann ein spektakuläres Tor, als er aus 18 Metern in den Winkel traf. Aus dem von Klinsmann aufgebotenen Sturmtrio fiel der Kölner Lukas Podolski in seinem ersten Länderspiel von Beginn an deutlich ab.

Während Gerald Asamoah mit seinen Flügelläufen für viel Druck sorgte, agierte auch Klose bis zu seinem Glückstor häufig wenig effektiv. Danach aber lieferte der Bremer einige Kostproben seiner Torgefährlichkeit. "Er ist ein perfektes Beispiel für den Werdegang dieser Mannschaft. Er hat sich Schritt für Schritt weiterentwickelt. Im August war er erst verletzt, anschließend hatte er einen Hänger. Dann aber hat er sich hochgezogen und mit großer Willenskraft seine Tore erarbeitet", lobte Klinsmann.

Gegen die personell arg geschwächten Japaner spielte die deutsche Mannschaft, nachdem sie die anfängliche Unsicherheit abgelegt hatte, eindrucksvoll ihre Offensiv-Qualitäten aus und kam zu hochkarätigen Möglichkeiten. Doch erst neun Minuten nach Wiederbeginn ebnete Narazaki den Gästen den Weg zum Sieg. Dem japanischen Keeper unterlief ein ähnlicher Patzer wie Kahn gegen Stuttgart, als er Ballacks Freistoß aus 18 Metern nicht festhalten konnte und Klose abstaubte. Danach vereitelte der Schlussmann aus Nagoya (60.) einen weiteren Treffer des Bremers. Mit dem zweiten Treffer - seinem 21. für Deutschland - machte Ballack gegen die vor allem in der Abwehr unbedarften Asiaten schließlich alles klar. Klose gab in der Nachspielzeit noch einen Nachschlag.

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