30-Jahre-Durchschnittswert
Duisenberg: Euro-Anstieg kein Grund zur Sorge

Die Aufwertung des Euro gibt nach den Worten von EZB-Präsident Wim Duisenberg derzeit kein Anlass zur Sorge für die Europäische Zentralbank (EZB). Die Notenbank braucht Duisenberg zufolge noch mehr Klarheit über die Folgen des Irak-Krieges und der jüngsten Wechselkursentwicklung, ehe sie die Zinsen senken kann.

Reuters WIEN. "Die Kursentwicklung des Euro zum Dollar macht mir noch keine Sorgen. Die Konkurrenzfähigkeit der europäischen Betriebe befindet sich auf einem 30-jährigen Durchschnittswert", sagte Duisenberg am Freitag in Wien, wo er von Bundespräsidenten Thomas Klestil eine Ehrung der Republik Österreich erhielt. Die EZB hatte den Schlüsselzins am Donnerstag unverändert bei 2,50 % gelassen. Volkswirte halten eine weitere Lockerung für unausweichlich, weil neben dem schwachen Wachstum die zuletzt beschleunigte Euro-Aufwertung die Inflation dämpfen sollte.

Die EZB warte noch ab, ob sich die jüngsten Entwicklungen bestätigten, sagte Duisenberg mit Blick auf den Euro-Anstieg und die schwindende Unsicherheit nach dem raschen Ende des Irak-Krieges. "Dann werden wir vielleicht mehr Klarheit haben, dann sieht die Situation vielleicht anders aus." Duisenberg bekräftigte zugleich, die EZB betreibe keine an Tagesaktualität ausgerichtete aktivistische Geldpolitik, sondern strebe Stabilität an.

Der Euro erzielte mit Kursen über 1,15 Dollar am Freitag ein Vier-Jahres-Hoch. Der Euro gewinnt für Anleger an Attraktivität wegen des höheren Zinsniveaus in der Euro-Zone. Der Kursanstieg hatte sich beschleunigt, nachdem die US-Notenbank am Dienstag eine Zinssenkung in Aussicht gestellt hatte und die EZB dazu noch kein klares Signal gegeben hatte.

Der EZB-Präsident bekräftigte die Wachstumserwartung der EZB, wies jedoch auf die Veröffentlichung der neuen EZB-Prognosen im Juni hin. "Für das ganze Jahr erwarten wir für den Euroraum ein Wachstum von nicht mehr als einem Prozent. Im zweiten Halbjahr werden wir langsam aber sicher schneller wachsen, so dass wir nächstes Jahr das durchschnittliche trendmäßige Wachstum ... erreichen."

In seiner Rede wies Duisenberg zudem auf den dringenden Bedarf an Strukturreformen hin, die jedoch nur schleppend vorankämen. Um das Tempo und die Bereitschaft der Regierungen zu den auf dem EU-Gipfel von Lissabon 2000 vereinbarten Reformen zu verstärken, sei eine bessere Koordinierung der Strukturpolitik in Europa notwendig. "Die Entscheidungsträger der Geld- und Finanzpolitik müssen oft als Prügelknaben herhalten, insbesondere in Zeiten konjunktureller Schwäche, wie wir sie derzeit erleben." Der beste Beitrag zur Steigerung des potenziellen Wachstums sei aber, die gesamtwirtschaftliche Stabilität zu fördern und damit ein günstiges Umfeld für die Wirtschaft zu schaffen.

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