30 Terroristen beteiligt
Das FBI verstärkt seine Ermittlungen in Deutschland

Die amerikanischen Ermittler gehen offenbar immer mehr davon aus, dass die Terroranschläge vom 11. September in Deutschland geplant wurden.

ap WASHINGTON/FRANKFURT. Die Bundespolizei FBI verdoppele deshalb ihre in Deutschland eingesetzte Mannschaft, berichtete die "Washington Post" am Samstag. Nach Informationen der "New York Times" werden FBI-Ermittler auch in die Nähe von Bonn gesandt. Deutsche Geheimdienstler hätten ein Telefongespräch von Anhängern Osama bin Laden abgehört, das eine Fahndung nach zwei weiteren Gruppen von Selbstmordattentätern ausgelöst habe, schrieb das Blatt. Sprecher des Bundesamtes für Verfassungsschutz in Köln und des Bundesnachrichtendienstes in Pullach wollten den Zeitungsartikel nicht kommentieren.

Den Terroristen standen für die Anschläge am 11. September nach Angaben eines amerikanischen Ermittlers 500 000 Dollar (1 074 000 DM) zur Verfügung. Das "Time Magazin" berichtete, der Terror-Pilot Mohamed Atta habe Geldüberweisungen am 8. und 9. September über einen Gelddienst in Florida erhalten. Absender sei nach FBI-Erkenntnissen Mustafah Ahmed gewesen, ein mutmaßlicher Finanzbeauftragter Osama bin Ladens im Nahen Osten.

Laut "New York Times" haben die deutschen Ermittler aus dem abgehörten Gespräch erfahren, dass insgesamt 30 islamische Extremisten an der Vorbereitung der Anschläge beteiligt waren. 19 starben bei den Selbstmordanschlägen. Zu den elf übrigen gehört möglicherweise der in London festgenommene algerische Pilot Lotfi Raissi, der vier der Selbstmordpiloten ausgebildet haben soll.

Das Bundeskriminalamt in Wiesbaden bestätigte die "Focus"-Informationen, wonach der untergetauchte mutmaßliche Terrorist Ramzi Mohamed Abdullah Binalshibh bei einer Firma für Computerservice in Wentorf bei Hamburg arbeitete. Der Jemenit soll für die Todespiloten Pässe und Quartiere beschafft haben. Das Blatt berichtete, im Auto Binalshibhs habe die Polizei Fingerabdrücke festgestellt, die auf einen Asylbewerber in Mecklenburg-Vorpommern hinwiesen.

Deutsche Bank gab Auskunft über Konten

Der Terrorismus-Experte Rohan Gunaratna von der schottischen St. Andrew's University sagte, in Hamburg müsse es fünf bis sechs terroristische Zellen gegeben haben. Der Terrorismus-Forscher Walter Purdy, Direktor eines Instituts in Washington, geht davon aus, dass drei separate terroristische Zellen die Anschläge vorbereiteten. Diese seien wiederum unterteilt gewesen in Gruppen für Planung, Logistik und Durchführung. Der Selbstmord-Pilot Mohamed Atta sei der Kopf einer dieser Gruppen gewesen. "Atta ist eindeutig nicht der Typ, der alle drei Zellen koordiniert haben könnte", sagte Purdy. Der Schlüssel zur Aufklärung liege im Aufdecken der Geldströme.

Die Deutsche Bank hat den Ermittlungsbehörden über Konten der Familie bin Ladens nach den Anschlägen Auskunft gegeben. Einen entsprechenden Bericht des "Spiegels" bestätigte ein Sprecher der Bank in Frankfurt am Main. Das Blatt berichtete, die Deutsche Bank sei selbst an einer der Firmen mit dem Namen Safron Partners beteiligt. Der Chef der Firma auf den Cayman-Inseln sei Hassan bin Laden, ein Halbbruder des Terroristen. Die Deutsche Bank habe für die Familie Bin Laden ein Vermögen von insgesamt 314 Mill. DM verwaltet, berichtete "Der Spiegel".

Der "Focus" berichtete, die radikale Islamisten-Organisation Kalifatsstaat (ICCB) mit Sitz in Köln habe direkte Kontakte zur Organisation des Topterroristen Osama bin Laden gehabt. Die Bundesanwaltschaft habe bestätigt, dass eine Delegation aus Deutschland 1996/97 bin Laden in Afghanistan getroffen habe.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%