300 Mitarbeiter müssen gehen
Brokat ernsthaft in der Krise

Der Softwareanbieter Brokat AG baut 300 Stellen ab und will Standorte im Ausland schließen. Die Börse reagierte sofort.

rje/dpa DÜSSELDORF. Das Software-Unternehmen Brokat will weltweit ein Fünftel seiner Stellen abbauen und mehrere Standorte schließen. Betroffen sind 300 Mitarbeiter, davon 50 in Deutschland. Auch ein Verkauf von Beteiligungen ist nicht mehr ausgeschlossen. Durch die Sparmaßnahmen werden im vierten Quartal Einspareffekte in Höhe von 15 Mill. Euro erwartet, teilte die am Neuen Markt notierte Brokat AG (Stuttgart) am Montag mit.

Beteiligungen müssen neu bewertet werden

Außerdem sei durch die Neubewertung von Tochtergesellschaften und Beteiligungen inzwischen die Hälfte des Grundkapitals des Unternehmens aufgebraucht. Der Kurs der Aktie fiel am Vormittag um 10,78 % auf 6,29 Euro.

"Die jetzt bekannt gegebenen Maßnahmen sind als Umsetzung der bereits angekündigten Kostensenkungsmaßnahmen zu verstehen", sagte Unternehmenssprecher Reiner Jung im Gespräch mit Handelsblatt.com. Das Unternehmen sei nicht in einer Liquiditätskrise. Jung verwies auf einen Barmittelbestand von 89 Mill. Euro zum Stichtag 30.3.2001. "Die Neubewertung der Beteiligungen ist nicht cashrelevant", sagte Jung. Allerdings wollte der Firmensprecher nicht ausschließen, dass zur Sanierung des Unternehmens auch zu einem Verkauf von Beteiligungen kommen könnte

Unternehmen sieht weiter sich auf Kurs

Trotz der jetzt angekündigten Maßnahmen sei die Internationalisierung erfolgreich verlaufen. In den USA erzielte das Unternehmen im ersten Quartal 23 % des Gesamtumsatzes. Brokat will Ende 2001 beim operativen Ergebnis schwarze Zahlen schreiben. Im vergangenen Jahr hatte der Verlust noch bei 53,5 Mill. Euro gelegen. Die Umsatzerwartungen musste Brokat bereits im April von 240 Mill. Euro auf 180 bis 190 Mill. Euro nach unten korrigieren. Grund sei die Zurückhaltung von Kunden, in neue Software zu investieren.

Konzentration auf Mobile Commerce

Brokat will vor allem in der Entwicklung und im Vertrieb Überkapazitäten abbauen und sich stärker auf das Geschäftsfeld Mobile-Commerce konzentrieren. Allein in den USA sollen 200 Stellen gestrichen werden. Das Unternehmen, ein Spezialist für elektronisches Bezahlen im Internet, hatte dort zwei Mitbewerber übernommen. Die Standorte in den Niederlanden, in Belgien und in Israel werden geschlossen. Brokat ist nach früheren Angaben auf der Suche nach einem strategischen Investor, um die Liquidität aufzubessern. Die Mitarbeiterzahl lag bisher bei 1450.

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