300 Stellen werden abgebaut
Bittere Pille für Schering

Nach einem enttäuschenden Quartalsergebnis aufgrund des schwachen US-Dollar rechnet der exportorientierte Pharmakonzern Schering nun auch im Gesamtjahr mit einem Gewinnrückgang. Mit einem verschärften Sparkurs und dem Abbau von 300 Stellen reagierte Vorstandschef Hubertus Erlen auf die unter den Analystenschätzungen liegende Ergebnisentwicklung. Analysten stuften die Schering-Aktie zurück, an der Börse geriet das Papier deutlich unter Druck.

Reuters BERLIN. Nach sieben Rekordjahren in Folge werde das Betriebsergebnis 2003 im prozentual einstelligen Bereich unter dem Vorjahresniveau liegen, kündigte Erlen am Donnerstag an. Schering war bislang von einem knapp zweistelligen Wachstum des Gewinns ausgegangen. Als Grund für den Ergebnisrückgang führte Erlen den schwachen Dollar an, der den exportorientierten Berliner Pharmakonzern belastet. Die Schering-Aktie führte die Verliererliste im Dax mit einem Verlust von knapp acht Prozent auf 37,15 ? an.

Nachdem der Konzern im ersten Quartal das Ergebnis noch etwa auf Vorjahresniveau halten konnte, sackte es im zweiten Quartal deutlich ab. Es gab um zwölf Prozent auf 163 Mill. ? nach und lag damit deutlich unter der Prognose von Reuters befragter Analysten. Sie hatten durchschnittlich mit einem Betriebsergebnis von 192 Mill. ? gerechnet. Auch das Netto-Ergebnis ging um rund elf Prozent auf 123 Mill. ? zurück.

Der Umsatz in Euro habe im zweiten Quartal um neun Prozent auf 1,179 Mrd. ? abgenommen, teilte Schering mit. Wechselkursbereinigt sei er aber um ein Prozent gestiegen. "Angesichts des anhaltenden Erfolges unserer Top-Produkte gehen wir von einem soliden kursbereinigten Umsatzwachstum für das Gesamtjahr aus", erklärte Erlen. Im Halbjahresbericht ist von einem Plus von fünf bis sieben Prozent die Rede. Bisher hatte Schering von einem hohen einstelligen Wachstum gesprochen. Besonders die neuen Verhütungsmittel Yasmin und Mirena verkauften sich sehr gut. Am Jahresende wolle man bei Neuverschreibungen von Antibabypillen mit Yasmin in den USA einen Anteil von zehn Prozent erreichen, sagte Erlen im Fernsehsender CNBC. Beim wichtigsten Schering-Präparat, dem Mulitple-Sklerose-Mittel Betaferon, lag das Umsatzplus kursbereinigt nur bei fünf Prozent. Schering begründete dies mit Lageraufstockungen in den USA im ersten Quartal. Für das Gesamtjahr gehe der Konzern weiter von einem zweistelligen Plus aus. In den USA insgesamt wolle man kursbereinigt 2003 ein Plus von 15 % mit allen Präparaten erreichen, sagte Erlen CNBC.

"Die Zahlen waren enttäuschend, schwerer wiegt allerdings der Ausblick", sagte Analyst Marcus Konstanti vom Bankhaus Sal. Oppenheim mit Blick auf die reduzierte Ergebnisprognose. Er stufte die Schering-Aktie auf "Underperformer" von "Outperformer" zurück. Andreas Schmidt von Merril Lynch sagte: "Was mich schockt, ist die Ergebnisprognose." Allein mit Währungseffekten sei sie nicht zu erklären. Möglicherweise gebe es bei Schering ein Kostenproblem, sagte er.

Um die rückläufigen Gewinne aufzufangen, kündigte Erlen eine Verschärfung des Sparkurses an. Der Konzern wolle daher in diesem Jahr rund 300 Stellen abbauen. Damit reagiere man auch auf die zu erwartenden Belastungen aus der geplanten Gesundheitsreform. Sie sieht unter anderem Rabatte der Pharmaindustrie vor. Das Unternehmen, das rund 26 000 Mitarbeiter beschäftigt, erzielt gut die Hälfte seiner Umsätze in US-Dollar. Bereits im ersten Quartal hatte Schering besonders beim Umsatz unter der Schwäche der US-Währung gelitten. Damals hatte der Konzern aber seine Prognosen noch wiederholt. Allerdings seien die Risiken gestiegen, wurde damals eingeräumt.

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