30 Kilogramm Dynamit
Autobombe in Madrid verletzt 17 Menschen

dpa MADRID. Bei der Explosion einer Autobombe im Zentrum von Madrid sind 17 Menschen verletzt worden. Der Sprengsatz mit 30 Kilogramm Dynamit detonierte in der Nacht zum Samstag in unmittelbarer Nähe der Ehrentribüne, auf der König Juan Carlos und Ministerpräsident Jose Maria Aznar zwölf Stunden zuvor die traditionelle Militärparade zum spanischen Nationalfeiertag abgenommen hatten.

Die Sicherheitskräfte hatten das Fahrzeug mit der Bombe nach Presseberichten vom Sonntag übersehen, obwohl ein Anrufer im Namen der baskischen Untergrundorganisation ETA einen Warnhinweis abgegeben hatte. Bei der Explosion kurz vor Mitternacht in einer Tiefgarage am Kolumbus-Platz entstanden schwere Gebäude-Schäden. Etwa 80 Fahrzeuge wurden teils völlig zerstört. Die Verletzten kamen mit Prellungen und Rauchvergiftungen davon.

Die Terroristen hatten das Fahrzeug ursprünglich vor Beginn der Militärparade in 1,5 Kilometer Entfernung in einem Wohngebiet abgestellt. Auf Grund des Warnhinweises ließ die Polizei die Gegend evakuieren, konnte mit Spürhunden die Autobombe aber nicht entdecken. Zwölf Stunden später heftete ein Polizist einen Strafzettel an das Auto mit der Bombe und ließ das Fahrzeug abschleppen, weil es die Zufahrt zu einem Gebäude des Telekom-Konzerns Telefonica versperrte.

Zeitzünder eventuell falsch eingestellt

Der Abschleppwagen brachte die Autobombe in die Tiefgarage genau an den Platz, auf dem zuvor die Militärparade stattgefunden hatte. An der Parade hatten die Königsfamilie und die gesamte Regierung sowie 5000 Soldaten teilgenommen. In der Tiefgarage explodierte die Bombe um 23.55 Uhr, genau zwölf Stunden nach dem von dem Anrufer genannten Zeitpunkt. Die Ermittler nehmen an, dass die Terroristen die Bombe eigentlich am Mittag vor Beginn der Parade zünden wollten, dass sie aber beim Einstellen des Zeitzünders die Abkürzungen "AM" (vormittags) und "PM" (nachmittags) verwechselt haben.

Die Video-Kameras des Sicherheitssystems von Telefonica nahmen auf, wie die Terroristen das Auto am Morgen in dem Wohngebiet abstellten und wie später Polizisten mit Spürhunden an dem Wagen vorbeizogen. Die Ermittler nehmen an, dass die Terroristen den Sprengstoff so verpackt hatten, dass die Spürhunde ihn nicht riechen konnten.

Alle großen Parteien verurteilten den Anschlag. Die ETA habe aus den Terrorangriffen in den USA am 11. September und der weltweiten Protestwelle gegen den Terror nichts gelernt, hieß es. Die autonome Regierung des spanischen Baskenlands erklärte, die Tage der ETA seien gezählt. Seit der Aufkündigung ihrer "Waffenruhe" im Dezember 1999 hat die ETA in Madrid sechs Autobomben gezündet. Sechs Menschen kamen dabei ums Leben. Seit dem Ende ihres Gewaltverzichts ermordete die Organisation 35 Menschen, zwölf davon in diesem Jahr.

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