32. Spieltag
Bayer sorgt für Spannung im Titelrennen

Der Fußball-Bundesliga winkt erneut ein Herzschlag-Finale wie schon in den vergangenen zwei Jahren.

dpa DÜSSELDORF. Mit der bitteren 1:2- Heimpleite von Bayer Leverkusen gegen Werder Bremen schmolz der vermeintlich komfortable Vorsprung des Spitzenreiters (66 Punkte) auf Verfolger Borussia Dortmund (64) zwei Spieltage vor dem Saisonende auf zwei Zähler. Selbst der Tabellen-Dritte Bayern München (62) rechnet sich nach dem 3:0 über Hertha BSC Berlin am 32. Spieltag wieder minimale Chancen auf den Gewinn der Meisterschaft aus. "Der Titel ist wieder drin", sagte Trainer Ottmar Hitzfeld.

Im Rheinland lebt die Erinnerung an die "Schmach von Unterhaching" wieder auf, als Bayer am letzten Spieltag den Titel noch verspielte. Trainer Klaus Toppmöller glaubt dennoch nicht, dass sein zuvor in zehn Spielen unbesiegtes, plötzlich aber verunsichert und müde wirkendendes Team nun das große Nervenflattern bekommt. "Unterhaching ist nicht mehr in den Köpfen", behauptet er. "Wir sind zwei Spieltage vor Schluss noch zwei Zähler vorn. Das sollte reichen. Schon in Nürnberg wird die Mannschaft anders auftreten und die notwendigen Punkte holen", versprach der enttäuschte Coach vor den abschließenden Partien im Frankenstadion und gegen Hertha daheim am 4. Mai.

Bayern-Keeper Oliver Kahn griff angesichts der spannenden Konstellation tief in die psychologische Trickkiste. "Leverkusen wird noch Federn lassen. Die fangen jetzt an zu denken. Da wird jedes Spiel zu einer einzigen Hölle", glaubt Kahn, während für Franz Beckenbauer die wagen Titelträume des Rekordmeisters schlicht "ein Schmarrn" sind. "Wir konzentrieren uns auf den dritten Platz. Wenn der zweite herausspringt, umso besser", so der Präsident.

"Lange Zeit wollten wir Meister werden und haben gepusht ohne Ende. Dann haben wir allen gratuliert und jetzt sind wir plötzlich wieder im Rennen. Das ist verrückt und macht mich wahnsinnig", gab Dortmunds Trainer Matthias Sammer einen Einblick in seine Gemütslage nach dem glücklichen 2:1-Erfolg gegen den designierten Absteiger 1. FC Köln. Doch bei Abwehrspieler Jürgen Kohler wächst nach dem Siegtor von Marcio Amoroso, der zwei Minuten vor Schluss einen umstrittenen Foulelfmeter verwandelte, der Glaube an die eigene Stärke und den möglichen Titel-Coup: "Jetzt werden wir es schaffen. Wer so ein Spiel noch gewinnt, beweist Klasse." Präsident Gerd Niebaum mochte von der verbesserten Aussicht auf die sechste deutsche Meisterschaft nichts wissen: "Leverkusen ist weiter Favorit. Sie können Reiner Calmund ins Tor stellen und holen trotzdem die notwendigen vier Punkte."

Während die Berliner nach der Niederlage in München den zur Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation berechtigenden Platz drei praktisch abhakten, wahrte der FC Schalke 04 mit einem mühsamen 2:1-Sieg über den 1. FC Nürnberg seine Chance auf den abermaligen Einzug in die Königsklasse. Einen Punkt hinter den Bayern liegend hat es der Revierclub aber nicht selbst in der Hand. "Wenn Bayern seine Spiele gewinnt, kannst du spielen wie du willst", beschrieb Manager Rudi Assauer die schwierige Lage.

Vor der Rückkehr in die 2. Liga stehen der 1. FC Köln und St. Pauli. Die Chancen auf die wundersame Rettung sind angesichts des Rückstandes der Rheinländer (fünf Punkte) und Hansaten (sechs) auf Platz 15 (Nürnberg/28 Zähler) nur noch theoretischer Natur. "Das war's", sagte Pauli-Trainer Dietmar Demuth nach der deftigen 0:4- Pleite im Derby gegen den Hamburger SV. Und bei Kölns Libero Thomas Cichon wurden böse Erinnerungen wach: "1998 sind wir nach einem nicht gegebenen Elfmeter für uns abgestiegen. Jetzt kassieren wir einen Elfmeter, der lächerlich war."

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