330 Flüge abgesagt
Der Kranich ist wieder flügellahm

Durch den Pilotenstreik bei der Lufthansa sind am Donnerstagmorgen wieder hunderte Flüge ausgefallen. Betroffen waren tausende Reisende auf allen deutschen Flughäfen; wie schon in der vergangenen Woche blieb das Chaos aber aus.

dpa/ddp.vwd FRANKFURT/MAIN. Durch den Streik der Lufthansa-Piloten sind am Donnerstagmorgen erneut viele Flugzeuge am Boden geblieben. Bis gegen 9.00 Uhr mussten deutschlandweit rund 330 Flüge gestrichen werden, wie die Lufthansa auf Anfrage sagte. Insgesamt seien mindestens 1.000 Flüge mehr oder weniger stark von dem Streik betroffen.

"Leichte Buchungsrückgänge"

Die Lufthansa zeigte sich dennoch zuversichtlich, deutlich mehr Flüge anbieten zu können, als bei der Arbeitsniederlegung in der vergangenen Woche. Sichergestellt seien mindestens 35 von 49 Langstreckenflügen ab Frankfurt am Main sowie eine Reihe wichtiger europäischer und innerdeutscher Verbindungen. Lufthansa zufolge haben sich erneut mehr Piloten zum Dienst gemeldet als erwartet. Das Unternehmen sieht darin ein Bröckeln der Streikfront. Die Lufthansa räumte zugleich "leichte Buchungsrückgänge" seit Beginn des Arbeitskampfes ein.

In Frankfurt am Main fielen bis 9.00 Uhr nach Angaben eines Flughafensprechers rund 160 Starts und Landungen aus. In München wurden am frühen Morgen 31 Ablüge, in Düsseldorf 26 Flüge annulliert. Die Lage an den Flughäfen war den Angaben zufolge ruhig. Die meisten Reisenden seien von dem Streik informiert gewesen und hätten rechtzeitig umgebucht. Der Frankfurter Flughafensprecher sagte, die Situation sei "fast schon zur Routine" geworden. Allerdings seien einige Passagiere aus dem Ausland verärgert, da sie unvorbereitet "in einen Schlamassel kommen" und die Reise nicht wie geplant fortsetzen können.

Auch bei der Bahn blieb trotz verstärkter Nachfrage am Morgen das Chaos aus. Die Sprinter nach Berlin seien verstärkt worden, in Richtung Hamburg werde am Nachmittag ein Entlastungszug eingesetzt, sagte ein Sprecher auf Anfrage.

Verdi greift Cockpit an

Unterdessen werfen andere Gewerkschaften der Pilotenvereinigung Cockpit mangelnde Solidarität mit den übrigen Lufthansa-Beschäftigten vor. Verdi Vize-Chefin Margret Mönig-Raane nannte das Verhalten der Piloten in der "Berliner Zeitung" egoistisch. DGB-Chef Dieter Schulte sagte am späten Mittwochabend in der ARD-Sendung "Joachim Gauck": "Cockpit entfernt sich hier von der Verhältnismäßigkeit der Mittel."

Lufthansa-Konzernsprecher Klaus Walther unterstrich im ZDF - Morgenmagazin die Verhandlungsbereitschaft des Unternehmens, kündigte aber gleichzeitig eine harte Haltung an. Die Pilotenvereinigung Cockpit wertete den Streik als Erfolg und kündigte an, dass das Personal nach dem 24-stündigen Streik am Freitag voraussichtlich wieder normal arbeiten wird. Eine Verlängerung des Arbeitskampfes sei derzeit nicht geplant, sagte Eckhard Bergmann von Cockpit.

Mit einem Notflugplan wollte die Lufthansa knapp 200 von zirka 1100 Verbindungen sicherstellen, darunter 34 Interkontinentalflüge. Auf den Flughäfen betreuten zusätzliche Mitarbeiter die Passagiere. In ganzseitigen Zeitungsanzeigen des Unternehmens hieß es: "Trotz Streiks finden heute sehr viele Lufthansa-Flüge statt."

Bei der Ferienfluggesellschaft Condor sollten alle Passagiere ihr Urlaubsziel erreichen. Ein Viertel der für Donnerstag gebuchten 10 400 Fluggäste war bereits am Mittwochabend geflogen. Die anderen Passagiere wurden auf andere Fluggesellschaften umgebucht oder fliegen mit Condor - Maschinen, die von nicht gewerkschaftlich organisierten Piloten gesteuert werden. Die Bahn setzte zunächst keine zusätzlichen Züge ein. Wie vor einer Woche wurden etwa 30 000 Fahrgäste mehr erwartet.

Cockpit verlangt jetzt 24 Prozent mehr Gehalt

Lufthansa-Sprecher Walther betonte: "Wenn wir unsere Wettbewerbsposition durch zu hohe Personalkosten gefährden, dann hat das langfristig dramatischer Auswirkungen für die Lufthansa". Dazu meinte Bergmann: "Die Wettbewerber halten deutlich höhere Kosten aus". Die Personalkosten würden nach den ursprünglichen Cockpit- Forderungen um etwa 4,2 % steigen. "Miteinander reden hat immer Sinn, aber es muss Bewegung reinkommen von der Lufthansa."

Cockpit verlangt inzwischen 24 % mehr Gehalt für die 4200 Piloten, die Lufthansa hatte zuletzt 10,6 % mehr Grundgehalt und eine Ergebnisbeteiligung von zwei Monatsgehältern geboten. Bergmann wies Spekulationen zurück, nach der die Streikfront bröckle. "Das läuft genau so gut wie letzte Woche", sagte er. Allerdings hätten sich die Lufthansa und die Passagiere diesmal besser vorbereiten können.

Passagiere können sich unter der kostenlosen Service-Rufnummer 0800/1009499 oder im Internet unter www.lufthansa.com , www.condor.de, www.cn-touristic.de über die Auswirkungen des Streiks informieren.

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