35 US-$ pro Barrel
Nahost-Krise lässt Ölpreis steigen

Die Krise im Nahen Osten hat die Rohölpreise am Freitag auf neue Rekordhöhen getrieben. Und auch weiterhin wird Öl teuer sein - meinen jedenfalls Händler und Ölmarkt-Analysten. Die Internationale Energie-Agentur (IEA)hält die Verteuerung aufgrund der Nahost-Krise für ungerechtfertigt. "Ich habe bisher noch nichts von einer Öldrohung gehört", sagte Bill Ramsey, stellvertretender Direktor der IEA.

dpa-afx LONDON/PARIS/NEW YORK. Nervosität ist das Wort der Stunde. Schon den zweiten Tag in Folge schwankte der Preis für den Barrel Brent Crude in London um 35 US-$. Am Donnerstag hatte er zeitweilig den höchsten Wert seit dem Golfkrieg von 1990 überschritten, war dann aber etwas zurückgefallen, hatte am Freitag wieder bei 35 US-$ gelegen und war erneut etwas gesunken. Und wie auch immer die Preise aus New York und Singapur lauten, die nicht auf Brent abstellen und deswegen nicht hundertprozentig vergleichbar sind - der Trend ist eindeutig: Öl ist gefragt und teuer.

Die Ölmärkte reagieren auf massive Markteingriffe, auf politische Sorgen und auf Spekulationen von Terminhändlern. Anfang Oktober beispielsweise fielen sie in London unter 30 US-$ pro Barrel, nachdem die US-Regierung zum zweiten Mal in 23 Jahren ihre strategische Ölreserve angriffen und 30 Mill. Barrel auf den Markt warfen.

Auch Anschläge in Jemen treiben den Preis

Politische Sorgen scheinen zumindest derzeit unbestritten der Hauptgrund für den starken Anstieg zu sein. Die Explosion in der Nähe der britischen Botschaft in Jemen trieb den Preis am Freitag wieder auf das Niveau von 35 US-$. Nachdem der Sprenstoffangriff auf den US-Zerstörer USS-Cole im Hafen von Aden bekannt wurde, stieg der Preis in wenigen Minuten um mehr als 2,50 US-$.

"Die Märkte sind durch die Ereignisse im Nahen Osten beeinflusst, völlig unabhängig von den Grunddaten von Angebot und Nachfrage", sagt John Waterlow, Analyst von Wood MacKenzie in Edinburgh. "Die Gewalt im Nahen Osten ist ein zusätzlicher Faktor angesichts einer auf der Angebotsseite ohnehin schon angespannten Lage." Und Rob Laughlin sagt, die Händler machten sich Gedanken über die mittelfristige Versorgungssicherheit. Zwar sei die Gefahr einer Einstellung der saudi-arabischen Förderung gering - auch wegen der nach dem Golfkrieg noch enger gewordenen Beziehungen zwischen Riad und Wshington: "Aber es gibt eine gewisse Sorge. Wenn das passierte, dann hätte das natürlich katastrophale Auswirkungen."

Nahost-Krise kein Vergleich zu Invasion in Kuwait

Die Internationale Energie-Agentur (IEA) hält allerdings die Verteuerung des Rohöls wegen der Gewalt in den Palästinensergebieten für ungerechtfertigt. Das Anziehen der Ölpreise sei aus der geographischen Nähe der wichtigsten Erdölstätten zum Spannungsfeld im Nahen Osten erklärbar. "Die heutige Situation ist aber bei weitem nicht vergleichbar mit der, die wir bei der irakischen Invasion in Kuwait hatten; damals war die Bedrohung ganz offensichtlich", erklärte der stellvertretende IEA-Direktor Bill Ramsey in Paris am Freitag in einem dpa-Gespräch.

Die aktuellen Gewalttätigkeiten hätten nichts mit Öl zu tun. "Ich habe bisher noch nichts von einer Öldrohung gehört", sagte Ramsey. Vor diesem Hintergrund seien Vorhersagen für die weitere Entwicklung der Ölpreise eigentlich eher ein Thema für die Diplomaten in den Außenämtern. "Ob der Preisanstieg gerechtfertigt ist oder nicht: So etwas passiert in Zeiten der Spannung", sagte der Experte mit Hinweis auf frühere Preissprünge bei Konflikten im Nahen und Mittleren Osten.

Heizöl Vorrat wird unterschiedlich eingeschätzt

Die Internationale Energieagentur hält den Ölvorrat für ausreichend."Die Vorratslage in den wichtigsten Industriestaaten hat sich für die Verbraucher verbessert. In allen Verbraucherländern werden die Vorräte wieder aufgefüllt", sagte Ramsey. Direkter Anlass zur Sorge bestehe daher vor diesem Hintergrund nicht. Außerdem hätten die Industrieländer aus den früheren Erfahrungen gelernt und ihre Abhängigkeit vom Erdöl längst reduziert. "Wenn es keinen echten Energie-Mix gäbe, dann hätten wir unseren Job nicht richtig gemacht", sagte er mit Blick auf die Bemühungen zahlreicher Staaten, auch andere Energieträger verstärkt zu nutzen.

Dagegen gab das America Petroleum Institute bekannt, dass die Heizöl-Lagerbestände an der US-Ostküste in diesem Jahr um 51 % niedriger seien als im Vorjahr. Auch in Europa, seien die Heizölläger nicht gut gefüllt.

Konsumenten könnten in nächster Zeit kaum niedrigere Preise erwarten, die jetzigen Rohölpreise sind ohnehin bereits Novemberpreise. Sie könnten sich aber damit trösten, dass ein Preis von 35 oder gar 36 US-$ "langfristig nicht im Interesse der Produzenten liegt". Zu diesem Preis werde die Förderung aus anderen Vorkommen wirtschaftlich interessant und auch Flüssiggas werde auf diesem Preisniveau sehr konkurrenzfähig.





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