360 Millionen-Deal
Deutsche Bank verkauft Deutsche-Börse-Anteil

Die Deutsche Bank hat sich von ihrer Beteiligung an der Deutschen Börse getrennt. Deutschlands größtes Kreditinstitut macht Ernst in Sachen Entflechtung. Für die Deutsche Börse selbst ergeben sich an der Börse plötzlich ganz neue Chancen.

Reuters/HB LONDON/FRANKFURT. Die Anteile von insgesamt 9,3 Prozent oder 10,4 Mill. Aktien seien zu je 34,50 Euro je Anteilsschein weltweit bei institutionellen Anlegern platziert worden, teilte Deutschlands größtes Kreditinstitut am Donnerstag mit.

Mit dieser Transaktion im Gegenwert von rund 360 Mill. Euro setze die Bank ihre Politik fort, ihre noch bestehenden Beteiligungen an anderen börsennotierten Unternehmen beschleunigt zu verkaufen, hieß es weiter. Der weit überwiegende Teil des Erlöses sei ergebniswirksam. Experten zufolge wächst durch die Platzierung die Chance der Deutschen Börse, in den Deutschen Aktienindex (Dax) aufzusteigen. Die Aktie der Deutschen Börse gewann im Laufe des Donnerstagvormittag bei hohen Umsätzen deutlich an Wert.

Alte Mitglieder verkaufen Anteile

Durch den Verkauf verabschiedet sich ein weiteres deutsches Institut, das seine Börsen-Aktien noch aus der Zeit der mitgliedergetragenen Frankfurter Börse hielt, aus dem Kreis der Anteilseigner. Seit der Umwandlung der Deutschen Börse in eine Aktiengesellschaft und dem Börsengang im Jahr 2001 haben viele Banken und Börsenmakler ihre Anteile veräußert, um ihre eigene Gewinnsituation aufzupolieren. Die größten Anteilseigner sind derzeit die Commerzbank mit 4,3 Prozent und die Düsseldorfer Börse mit 2,9 Prozent.

Chancen auf Dax-Aufstieg steigen

Durch die Veräußerung der Anteile wächst nach Einschätzung von Experten die Wahrscheinlichkeit, dass die Deutsche Börse in den Dax aufsteigt. "Der Streubesitz wird voraussichtlich auf 95 von zurzeit 84 Prozent steigen. Damit werden die ohnehin guten Chancen besser", sagte Stephan Appelhans, Indexanalyst von Dresdner Kleinwort Wasserstein. Durch den hohen Streubesitz steigt die Marktkapitalisierung der frei handelbaren Aktien sowie der Börsenumsatz; beides Kriterien für einen Aufstieg in den Dax. Als Absteiger zum Überprüfungstermin im November wird seit langem die Aktie des Herstellers passiver Bauelemente Epcos gehandelt, der auf Grund des Kursverfalls seit längerem nicht mehr den notwendigen Börsenwert aufweist.

Am Donnerstag gewannen die Papiere der Deutschen Börse bei hohen Umsätzen 2,9 Prozent an Wert auf 35,85 Euro. Bis zum Mittag waren mit 2,1 Millionen Aktien mehr als zehn Mal soviele Papiere gehandelt wie im Durchschnitt der vergangenen 90 Tage. Die Börsen-Aktien waren zu 33,50 Euro ausgegeben worden und hatten im März dieses Jahren mit 51,51 Euro ihren höchsten Stand erreicht. Im Juni hatte die Börse dann eine Kapitalerhöhung für 44,00 Euro je Aktie platziert, was den Aktienkurs deutlich unter Druck setzte.

Transaktion wird für die Börse positiv bewertet

In Branchenkreises hieß es, jetzt könne auch niemand mehr so leicht von einer Abhängigkeit der Börse von Deutschlands größtem Kreditinstitut sprechen. In der Vergangenheit waren vor allem im Ausland immer wieder Stimmen laut geworden, die von einer zu großen Abhängigkeit der Börse von ihrem Anteilseigner Deutsche Bank sprachen. Analysten verwiesen jedoch darauf, dass die Bank immer noch einer der wichtigsten Kunden der Börse sei. Der ehemalige Chef und aktuelle Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank, Rolf Breuer, ist auch Aufsichtsratschef der Deutschen Börse.

Aktie heraufgestuft

Die Analysten der Investmentbank Merrill Lynch stuften die nicht unerwartete Transaktion als gute Kaufgelegenheit ein. Die Anleger würde sich jetzt wieder mehr auf die für den 8. November erwarteten Quartalszahlen der Börse und nicht mehr auf eine bevorstehende Platzierung durch die Deutsche Bank konzentrieren, hieß es in einer Studie. Die Experten gehen davon aus, dass die Quartalszahlen gut ausfallen werden und bewerten die Aktien mit "Buy" und einem Kursziel von 42 Euro.

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