3GSM World Congress in Cannes
Mobilfunk im Wartestand

Es ist kalt in diesen Tagen in Cannes - ungewöhnlich kalt für den sonst so von der Sonne verwöhnten Nobelort an der Côte d?Azur. Doch nicht nur wegen der tiefen Temperaturen müssen sich die Mobilfunkmanager warm anziehen, die sich bis Ende der Woche am Mittelmeer zu ihrer wichtigsten Branchenschau treffen, dem 3GSM World Congress.

HB CANNES. Denn allen ist klar: Es wird noch Monate, wahrscheinlich sogar Jahre dauern, bis sich die noch junge Industrie von ihrer ersten tiefen Krise erholt hat. Und selbst wenn es gut läuft, ist völlig offen, ob sich die Milliarden-Investitionen in die neuen Netze und in die Geräte-Entwicklung jemals auszahlen.

Momentan suchen die Firmen deshalb verzweifelt nach Rezepten, um den schleppenden Absatz wieder anzukurbeln. Das ist schwierig, denn die Vergangenheit hat gezeigt: Die Hits von morgen lassen sich nicht vorhersagen. Kaum jemand hat geglaubt, dass SMS ein durchschlagender Erfolg werden würde. Trotzdem haben sich die Kurzmeldungen per Handy zu einem Milliardenmarkt entwickelt.

Handy-Hersteller und Netzbetreiber lassen die Nebelkerzen in der Hoffnung auf Treffer deshalb zu Dutzenden steigen. So setzt Siemens als erster Produzent auf Mode-Handys, von denen es jährlich zwei Kollektionen geben soll. Technisch sind die Telefone recht einfach - ein Risiko für den technikverliebten Siemens-Konzern. Ein Novum in der Branche: Bislang haben Nokia & Co. neue Geräte über technische Innovationen verkauft.

An der Dominanz der Technik lässt sich aber auch künftig nicht rütteln. Aus handfesten Gründen: Denn nur wenn die Kunden sich dafür begeistern, Fotos übers Handy zu verschicken oder kleine Filme auf dem Telefon anzuschauen, rechnen sich die riesigen Investitionen in Geräte und Netze der nächsten Generation - das so genannte UMTS. Künftig stehen gigantische Übertragungskapazitäten zur Verfügung, die ausgelastet werden müssen. Experten prophezeien jetzt schon einen Preisverfall, der noch schneller vor sich gehen soll als bei der Einführung des derzeitigen Standards.

Die Manager brauchen viel Geduld: UMTS wird frühestens im kommenden Jahr - voraussichtlich sogar erst 2005 - den Massenmarkt erobern. Erst dann werden Geräte und Anwendungen billig genug sein. Es zeigt sich aber schon heute, dass die Kunden auf den Preis ihrer neuen Geräte schauen. Seit Monaten sinkt der durchschnittliche Verkaufspreis. Damit die Menschen in Zeiten der Krise wieder tiefer in die Tasche greifen, müssen die Anbieter überzeugende Dienstleistungen anbieten.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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