40 bis 50 Börsengänge in 2002 erwartet
Trend zu Übernahmen am Neuen Markt wird steigen

Die Zahl der Firmenzusammenschlüsse am Neuen Markt wird sich nach Einschätzung von Experten im kommenden Jahr erhöhen. "Der Trend zu Fusionen und Übernahmen wird zunehmen", sagte etwa Alf Niezold, Leiter Aktienkonsortialgeschäft bei der Hypo-Vereinsbank.

Reuters FRANKFURT. Analysten der WestLB schlossen sich dieser Einschätzung an und begründeten dies unter anderem mit einer niedrigen Bewertung einzelner Firmen und einem Konsolidierungsdruck, der in einem weiter angespannten Konjunkturumfeld 2002 anhalten werde.

Nach Expertenansicht werden zudem durch die neuen Delisting-Regeln, freiwillige Segmentwechsel sowie Insolvenzen weitere Firmen vom Kurszettel verschwinden. Trotz des erwarteten Anstiegs von Neuemissionen muss die Zahl der am Neuen Markt gelisteten Firmen deshalb nicht steigen. "Wenn es gut geht, hält sich die Zahl auf konstantem Niveau", sagte Niezold.

Langfristig könnten 10 bis 15 Firmen jährlich durch Fusionen beziehungsweise Übernahmen und freiwillige Segmentwechsel sowie 15 bis 20 Gesellschaften auf Grund der neuen Delisting-Regeln vom Neuen Markt verschwinden, schreiben die Experten der WestLB in einer aktuellen Studie. Für 2002 würden sogar höhere Zahlen erwartet.

Unternehmerische Perspektive gefragt

Im Technologie- und IT-Service-Sektor gebe es verschiedene Kandidaten für Übernahmespekulationen, hieß es. Der Laserhersteller Rofin Sinar etwa sei niedrig bewertet, der Technologiekonzern Siemens könne Interesse an ADVA Optical und das Beratungshaus SAP SI an Realtech zeigen.

Banken und Investoren konzentrierten sich auf Firmen, die eine unternehmerische Perspektive und eine gewisse Größenordnung hätten, sagte Niezold. Ein angekündigte Zusammenschluss der Kleincomputer-Hersteller Kontron und Jumptec etwa biete Anreiz. Übernahmekandidaten seien Firmen, deren aktuelle Bewertung nicht die fundamentale Stärke und Ertragskraft widerspiegele, unabhängig vom Marktsegment oder dem Sektor. Christian Kahler, Aktienstratege der DZ Bank, rechnet erst 2003 bis 2005 mit einer größeren Fusions- und Übernahmewelle. 2002 sollte die Konsolidierung eher noch verhalten sein. Es gebe wenige Firmen, die ein so ähnliches Geschäftsmodell wie Kontron und Jumptec hätten und deshalb besonders gut zusammen passten.

Auch die Bereinigung werde sich gemäßigt fortsetzen, sagte Kahler. Seiner Einschätzung nach sollten zwei bis drei Prozent der Unternehmen pro Jahr in die Insolvenz geraten. Dies entspreche aber dem gesamtwirtschaftlichen Konkursumfeld. Auch Niezold sieht die Talsohle bei Firmenzusammenbrüchen erreicht, auch wenn es noch die ein oder andere Insolvenz geben werde. "Insolvenzen werden keine Schockwelle auslösen", ergänzte Niezold. Sie würden am Markt erwartet.

40 bis 50 Börsengänge erwartet

Insgesamt gesehen könnte die Zahl der Abgänge vom Neuen Markt den Schätzungen zufolge der Zahl der Neuemissionen entsprechen. Experten rechnen für 2002 insgesamt mit 40 bis 50 Börsengängen am deutschen Aktienmarkt und einem Emissionsvolumen bis zu 25 Mrd. Euro nach 18 IPOs (Initial Public Offerings) in diesem Jahr mit einem Volumen von 2,8 Milliarden Euro. Zahlen für Börsengänge an den Neuen Markt wurden nicht genannt. Bis Ende Dezember 2001 wird das Wachstumssegment durch Fusionen, Aufkäufe und Ausschlüsse voraussichtlich 25 der zeitweise 343 in diesem Jahr gelisteten Firmen verlieren. Nur elf Gesellschaften waren 2001 neu hinzugekommen. In einer Reuters-Umfrage zu Jahresbeginn hatten Banker für alle Segmente noch mit rund 100 Neuemissionen gerechnet.

Durch Fusionen verschwanden 2001 bislang mit ricardo, Entrium, ISION, MSH, Systematics und United Visions sechs Firmen vom Neuen Markt. Nach der Übernahme durch Phenomedia hatte zudem Feedback einen Wechsel in den Geregelten Markt beantragt. Noch in diesem jahr verschmelzen Focus Digital und Tomorrow Internet zu einer Gesellschaft. Kontron und Jumptec planen eine Fusion, die Softwarefirma Openshop übernimmt USU und der Musiksender Viva schluckt den Kölner Produzenten Brainpool.

Prodacta verläßt den Markt

Wegen Insolvenz hat die Deutsche Börse bereits Kabel New Media, Management Data, MB Software, Infomatec und Lipro vom neuen Markt ausgeschlossen. Das Delisting von Prodacta ist für den 26. Dezember vorgesehen. Bei Micrologica ist nach Angaben der Börse ein Schiedsverfahren noch nicht abgeschlossen und somit das Delisting noch nicht wirksam. Wegen Verletzung der Folgepflichten wurden zudem Gigabell und Teldafax vom Wachstumssegment ausgeschlossen.

Neben Feedback verließen weitere acht Unternehmen das Segment freiwillig. Sunburst, Refugium, Team Communications, Mediantis, Popnet, Dino Entertainment, Integra und Edel music wechselten in den Geregelten Markt. Am 31. Dezember wird auch Musicmusicmusic letztmalig am Neuen Markt gehandelt.

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