40 Prozent der Teile des Chrysler Crossfire kommen von Mercedes
Mercedes-Fans stellen die Vertrauensfrage

Für die schwer gebeutelten Daimler-Chrysler-Aktionäre ist die Mercedes Car Group seit Jahren der einzige Lichtblick. Noch hat der Imageträger Mercedes durch die vielen Sanierungsfälle im Konzern keinen Schaden genommen. Doch die Luxussparte bewegt sich auf einem schmalen Grad. Sie liefert Chrysler hochwertige Technologien und hebt so die Qualität beim Massenhersteller. Das mag zwar Chrysler-Käufer freuen, doch Mercedes-Fans wittern Verrat.

STUTTGART. Für sie stellt sich angesichts des neuen Chrysler Crossfire, einem Sportcoupé der Oberklasse, die Vertrauensfrage: In dem Auto steckt zu 40 Prozent Mercedes-Technologie. Pate ist das Mercedes-Modell SLK. Der Crossfire hat von ihm Motor, Getriebe, Achsen, das Stabilitätssystem ESP und ABS bekommen. "Für jedes Teil, das im Crossfire verwendet wird, fließt Geld an Mercedes zurück", schildert ein Daimler-Chrysler-Sprecher den Nutzen für Mercedes. Wie hoch die Summe ist - darüber schweigt der Konzern. Klar ist, das Mercedes einen Teil dieser Einkünfte an die Zulieferer abgeben muss. Auch der Osnabrücker Karosseriebauer Karmann verdient mit, wenn der Crossfire ein Erfolg wird: Bei ihm wird das Fahrzeug gebaut.

In der Autobranche wird die Modellpolitik des Stuttgarter Konzerns aufmerksam beobachtet. Die Schwaben wollen durch Kooperation und den Austausch von Fahrzeugteilen Kosten sparen. Andererseits darf das Erscheinungsbild von Chrysler - und Mercedes-Fahrzeugen nicht zu sehr angeglichen werden, damit der Stern keinen Schaden nimmt.

"Solange Mercedes nicht die neueste Technologie an Chrysler weitergibt, sondern Komponenten der Vorgängergeneration, sehe ich kein Problem", sagt Albrecht Denninghoff, Analyst der Hypo-Vereinsbank. Den 35 000 Dollar teuren Crossfire, der auf dem aktuellen SLK basiert, stuft er nicht als Sündenfall ein, da es ein Nischenmodell sei - mit nur 20 000 Stück pro Jahr.

"Der Chrysler Crossfire ist eine Ausnahme", sagt ein Daimler-Sprecher. Mercedes leistete Nothilfe, weil Chrysler keine neuen Modelle in der Pipeline hatte. Bei weiteren neuen Chrysler-Modellen, wie dem Pacifica, dem Dodge Magnum und dem Chrysler 300 C, stammen nur 20 Prozent der Teile von Mercedes.

Analysten sehen den Komponententausch ohnehin gelassener als noch zu Beginn der Fusion vor fünf Jahren. "Die Konkurrenz macht inzwischen auch herstellerübergreifend im großen Stil einen Komponententausch", sagt Björn Kirchner von der Banco Santander.

"Solange Mercedes seine Autos mit Chrysler-Komponenten nicht heimlich billiger macht, dürften auch Mercedes-Kunden den Komponententausch akzeptieren", sagt Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler.

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