400 Mill. Euro Gewinn im Kerngeschäft erwartet
Lufthansa sieht Dividende am Horizont

Die größte deutsche Fluggesellschaft atmet langsam auf. Nach den verheerenden Folgen des 11. September winkt für dieses Jahr schon wieder ansehnlicher Gewinn. Trotz der Probleme bei der Catering-Tochter hofft Vorstandschef Weber daher, die Schulden zügig abbauen zu können.

ebe KÖLN. Die Deutsche Lufthansa erwartet für 2002 einen operativen Gewinn von rund 400 Mill. Euro. Das kündigte Vorstandschef Jürgen Weber am Mittwoch auf der Hauptversammlung vor rund 4 000 Aktionären in Köln an. Angesichts der Luftfahrtkrise und der anhaltend unsicheren Weltlage hatte der Lufthansa-Chef bisher auf eine konkrete Jahresprognose verzichtet.

Weber riet allerdings weiterhin zur Vorsicht und versah die Ergebniserwartung mit Einschränkungen. Voraussetzung sei, dass sich die Nachfrage im Luftverkehr weiter erhole und es zu keinen neuen Anschlägen oder Kriegen komme. Unter dieser Prämisse gehe Lufthansa auch davon aus, für 2002 wieder eine Dividende zahlen zu können. Im Vorjahr, als die Kranich-Airline einen Rekordverlust vor Steuern von 754 Mill. Euro meldete, waren die Aktionäre leer ausgegangen.

Die Kritik von Aktionärsschützern, dem Vorstand sei die Cateringtochter LSG SkyChefs "aus der Hand geglitten", ist in der Führungsetage angekommen. Weber kündigte ein spezielles Ergebnissicherungsprogramm für diese Sparte an. Man werde Neuinvestitionen "äußerst restriktiv" unter die Lupe nehmen. Die Vollübernahme der Sky-Chefs-Mutter Onex Food Services im Juni 2001 für 1,2 Mrd. Euro hatte die Lufthansa-Schulden zwischenzeitlich auf mehr als 4 Mrd. Euro anschwellen lassen. Ausgerechnet dieses Geschäftsfeld verlor dann nach den Terroranschlägen des 11. September massiv an Wert, Lufthansa war zu hohen Sonderbschreibungen gezwungen. Der für 2003 geplante Börsengang der SkyChefs, der die hohen Verbindlichkeiten zurückführen sollte, wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

Der Abbau der Nettoverschuldung sei nun eines der vorrangigen Ziele der nächsten Jahre, kündigte Weber an. Ab 2003 sollen die Schulden planmäßig um mindestens 300 Mill. Euro jährlich reduziert werden. Trotz der Schwierigkeiten um LSG Sky Chefs sieht sich der Lufthansa-Chef weit besser als viele Wettbewerber für die Zukunft gerüstet. Im Kerngeschäft liege die Zahl der beförderten Fluggäste zwar noch unter Vorjahr, die Lücke werde jedoch immer kleiner. Auch die Auslastung der Flüge erreiche wieder gute 74 %.

Das allmähliche Vordringen der Billigfluglinien bereitet dem Konzernchef keine Bauchschmerzen. "Die Dimension des No-Frills-Geschäfts ist nicht dramatisch", betonte Weber. Der innerdeutsche Verkehr der Lufthansa betrage nur etwas über 10 % des Umsatzes. Trotz der aktuellen Euphorie um die Billigflieger sieht der Konzern seine Wachstumschancen weiter im Langstreckengeschäft. Kürzlich wurde eine Strecke München-Shanghai aufgenommen. "Weil wir unser weltweites Netz stärken wollen, geben wir solchen Verbindungen auch immer den Vorzug bei den Investitionen", sagte Weber.

Die Gewinnprognosen der größten deutschen Fluglinie lagen im Rahmen der Analystenerwartungen und gaben an der Börse keinen Anlass zur Euphorie. Der Kurs des Lufthansa-Papiers notierte gestern in einem schwachen Marktumfeld nahezu unverändert.

Quelle: Handelsblatt

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