400 Millionen für Tochter angepeilt
HVB will Norisbank nicht verschleudern

Die HVB will für ihre zum Verkauf stehende Nürnberger Filialtochter Norisbank nach Angaben aus Bankenkresien mindestens etwa 400 Mill. ? erlösen. "Für 300 Mill. oder auch etwas mehr kommt ein Verkauf nicht in Frage - das steht fest", sagte ein mit der Transaktion vertrauter Banker am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Ein HVB-Sprecher gab keinen Kommentar dazu ab.

Reuters FRANKFURT. Gebote für die auf das Geschäft mit Konsumentenkrediten spezialisierte Norisbank können noch bis Freitag abgeben werden. In einem Zeitungsbericht hieß es, Kauf-Interessenten hätten der HVB nur eine Summe von gut 300 Mill. ? signalisiert.

Unterdessen setzten die Aktien der deutschen Finanzinstitute ihren Aufwärtstrend der vergangenen Tage fort. Die Papiere der HVB lagen rund fünf Prozent im Plus bei 13,00 ?. Sie profitierten dabei auch von Aussagen des HVB-Aufsichtsratschefs Albrecht Schmidt, der in einem Zeitungsinterview von einer andauernden Konsolidierung im deutschen Bankgewerbe gesprochen und damit Fusionsspekulationen teilweise wiederbelebte.

Das profitable Nürnberger Institut mit seinen gut 100 Filialen und rund 500 000 Kunden steht zum Verkauf, da sie nicht mehr in die auf das gehobene Privatkundengeschäft und den Mittelstand ausgerichtete HVB-Strategie passt. Deutschlands zweitgrößte Bank muss ihre angegriffene Kapitalbasis schnell stärken, um ihre Refinanzierungskosten zu drücken und wieder in die Gewinn-Zone zurückzukehren. Dazu will die HVB im Zuge einer Kapitalerhöhung bei der Bank Austria rund ein Viertel der österreichischen Tochter Ende Juni an die Börse bringen. Außerdem könnte sich das Institut von der Hamburger Vereins und Westbank - trennen - die Hamburger Sparkasse prüft bereits die Akquisition mit einem derzeitigen Marktwert von rund 750 Mill. ?.

"Die Norisbank soll schnell verkauft werden, aber zum Schleuderpreis wird das nicht gemacht. Da sollte man sich eher in der Größenordnung von 400 Mill. bewegen", hieß es in den Kreisen weiter. Die HVB kann zwar auf eine namhafte Bieterliste mit inländischen Wettbewerbern wie der Postbank und der Citibank hoffen. Diese sind aber in erster Linie an dem Kernprodukt easyCredit interessiert und weniger am Personal und dem Filialnetz. "Falls ein internationales Finanzhaus sich mit dem Kauf der Norisbank auf dem deutschen Markt etablieren will, würde es auch eine strategische Prämie zahlen", sagte ein Bankmanager.

Der easy-Credit ist aus Bankensicht attraktiv, da er mit sehr geringem administrativen und personellen Aufwand schnell vergeben wird und für die Bank vergleichsweise ausfallsicher ist. "Für die Postbank wäre der easyCredit wegen des weitgehend automatisierten Vergabeverfahrens interessant", sagte ein Banker. Die heimische Konkurrenz wie Postbank oder Citibank werde ebenso wie ausländische Interessenten kaum mehr als 300 Mill. ? für das profitable Nürnberger Institut bieten. "Das ist ein angemessener Preis, denn zumindest den deutschen Bietern geht es in erster Linie um das Know-How bei den Konsumentenkrediten und keineswegs um das Filialnetz", sagte ein mit der Situation vertrauter Banker.

Sprecher der Postbank und der Citibank gaben am Montag keinen Kommentar ab. Postbank-Chef Wulf von Schimmelmann hatte vor einem Monat gesagt, er werde sich die Norisbank näher ansehen. Citibank-Deutschland Chefin Christine Licci hatte jüngst erklärt, ihr Haus sei nicht in Übernahme-Verhandlungen.

Aus Sicht der HVB wäre ein ausländischer Käufer die lukrativste Lösung. "Falls ein internationales Finanzhaus sich mit dem Kauf der Norisbank auf dem deutschen Markt etablieren will, würde es auch eine strategische Prämie zahlen", sagte ein Bankmanager. Die Norisbank mit ihren rund 1 100 Mitarbeitern hatte ihren Vorsteuergewinn 2002 auf 36,8 (Vorjahr 18,3) Mill. ? verdoppelt und hat ihr Ergebniswachstum nach Angaben aus Bankenkreisen auch im Auftaktquartal fortgesetzt. Der Umsatz mit easyCredit - den die Norisbank auch im Namen anderer Institute wie der DAB Bank anbietet - wurde 2002 um mehr als 80 % auf 984 Mill. ? gesteigert.

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