40 000 Arbeitsplätze dank Windkraft
Deutschland ist Windkraft-Weltmeister

Deutschland ist Windkraft-Weltmeister. Mehr als 10 000 Megawatt Windkraftleistung verteilt auf weit über 12 000 Windräder sind in Deutschland installiert - deutlich mehr als in den nächstgrößeren Windkraft-Ländern Spanien, Dänemark und USA.

HB OSNABRÜCK. Am Dienstag nahm Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) in der Nähe von Nordhorn an der niedersächsisch-holländischen Grenze einen Windpark in Betrieb, mit dem die magische 10 000-Megawatt-Grenze durchbrochen wurde. "Mit der erzeugten Strommenge könnte die Hauptstadt Berlin rund um die Uhr versorgt werden", sagte Trittin zur Eröffnung.

Doch kaum ein Thema spaltet Politik und Wirtschaft so wie die Windkraft. Befürworter halten ihren konsequenten Ausbau für unumgänglich, wenn Deutschland seine Klimaschutzziele und damit den konsequenten Sparkurs bei Kohlendioxid-Emissionen einhalten will. Gegner sehen blühende Landschaften durch mehr als 100 Meter hohe Anlagen verunstaltet und hören unnötigen Lärm der Rotoren mit einer Spannweite von bis zu 80 Metern. Einen wirtschaftlichen oder ökologischen Sinn können sie dabei nicht erkennen.

"Die ganze Geschichte ist ein einziger Selbstbetrug", sagt etwa der Vorsitzende des Bundesverbandes Landschaftsschutz, Ferdinand Fürst zu Hohenlohe-Bartenstein. Mit 1,1 Milliarden Euro subventioniere der Bund jährlich die Windkraft. Dafür bekommen Anlagenbetreiber am Anfang neun, später sechs Cent pro erzeugter Kilowattstunde Strom. Die Garantie dafür gibt das von der rot-grünen Bundesregierung verabschiedete Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). "Jeder Stromverbraucher muss mehr zahlen, damit einige Betreiber davon profitieren und Steuern sparen", sagt Hohenlohe-Bartenstein.

Stabiler Wirtschaftsfaktor mit hohem Exportanteil

Peter Ahmels, Vorsitzender des Bundesverbandes Windenergie, ist völlig anderer Meinung. "Die Windkraft hat in den vergangenen zehn Jahren fast 40 000 Arbeitsplätze geschaffen", sagt er. Minister Trittin geht einschließlich Zulieferunternehmen sogar von 120 000 Stellen aus. In Deutschland hat sich die Branche Ahmels zufolge zu einem stabilen Wirtschaftsfaktor mit hohem Exportanteil entwickelt. 3,5 bis vier Milliarden Euro will die Branche in diesem Jahr in Deutschland umsetzen. Tausende kleiner Geldanleger verdienen mit ihren Anteilen an dem subventionierten Öko-Strom. Allerdings wurden auch Einzelne von dubiosen Betreibergesellschaften um ihr Erspartes gebracht, wie Ahmels einräumt.

Einen Aspekt hält er aber für besonders erfreulich: Hauptsächlich kleine und mittelständische Unternehmen hätten sich in der Windkraftindustrie etabliert, die großen Stromkonzerne seien weitgehend vor der Tür geblieben. Erst wenn Windkraft-Großprojekte auf hoher See angegangen werden, sind die großen Stromlieferanten gefragt. Das erste so genannte Off-Shore-Projekt soll 2003 vor der Insel Borkum in Betrieb gehen.

Gehen die Zukunftspläne der Wind-Befürworter in Erfüllung, soll die Windkraft-Leistung bis zum Jahr 2010 an Land nochmals auf 20 000 Megawatt verdoppelt werden. Hinzu kommen bis dahin 3000 Megawatt auf dem Meer. "Im Endausbau könnten sogar bis zu 25 Prozent des Strombedarfs in Deutschland aus der Windkraft kommen", sagt Ahmels. Bisher liegt dieser Anteil lediglich bei drei bis vier Prozent. Für Kritiker wie Hohenlohe-Bartenstein stimmt hierbei die gesamte Wind- Berechnungsgrundlage nicht: "Man kann doch nicht mit etwas rechnen, was nicht immer und ständig verfügbar ist."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%