42 Tote in Ostchina
Kinder produzierten Feuerwerk in Schule

dpa PEKING. Bei der Explosion von Feuerwerkskörpern in einer Grundschule in Ostchina sind mindestens 41 Kinder und ein Lehrer getötet worden. Etwa 40 weitere wurden verletzt. Die Behörden der Gemeinde Wanzai in der Provinz Jiangxi bestätigten am Mittwoch nur die Zahl der Toten, wollten sich aber nicht zur Ursache äußern. Die Gegend ist wegen seiner vielen Produktionsstätten für Kracher und Raketen als «Land des Feuerwerks» in China bekannt.

Die Ursache des Unglücks war nach Angaben des Informationszentrums für Demokratie und Menschenrechte in Hongkong ein Lager mit Teilen von Feuerwerkskörpern, das neben den Klassenräumen in die Luft gegangen sei. Die Schüler hätten neben dem Unterricht Zündschnüre an den Feuerwerkskörpern anbringen müssen, um Geld für die Schule zu beschaffen. Die meisten Opfer seien zwischen 10 und 12 Jahre alt.

Kinder unter Trümmern begraben

Die Explosion in dem zweigeschossigen Gebäude der Fanglincun- Schule ereignete sich um 11 Uhr am Dienstagvormittag während des Unterrichts, als etwa 300 Kinder in der Schule waren. Das Gebäude stürzte ein und begrub die Kinder unter den Trümmern. Vier Klassenräume wurden völlig zerstört. Tafeln an einer stehen gebliebenen Wand und ein paar Stühle und Tische blieben übrig. Einwohner des Ortes berichteten, der Schuldirektor sei geflüchtet.

Seit 1998 hätten lokale Feuerwerksfabriken der Gemeinde Wanzai Kooperationen mit Grundschulen gestartet, berichtete der China News Service im Internet. Die Kinder produzierten offen in ihren Klassenräumen, während die Lehrer das Geld bekämen. Wegen ihrer schlechten Finanzlage sind in China viele Schulen gezwungen, geschäftliche Aktivitäten zu entwickeln. So warten viele Lehrer teilweise jahrelang vergeblich auf ihre Gehälter.

Gemeinde lebt von Feuerwerksproduktion

40 Prozent der gesamten Produktion der Gemeinde stammt aus der Feuerwerksindustrie, berichtete ein Mitarbeiter des örtlichen Amtes für Qualitätssicherung bei Feuerwerk. Dass Kinder in der Schule Feuerwerkskörper produzierten, sei «eigentlich nicht erlaubt». «Vielleicht haben Lehrer daheim einen Teil nicht fertig bekommen, dann mit in die Schule gebracht und die Kinder gebeten zu helfen», spekulierte der Mitarbeiter.

Es gebe in der 460 000 Einwohner zählenden Gemeinde mehrere hundert Feuerwerksfabriken. Kinderarbeit sei nicht erlaubt. Dennoch gälten sie als «billige Arbeitskräfte», sagte der Mitarbeiter. Die meisten Kinder wüssten von ihren Eltern, wie Feuerwerkskörper gebaut werden. Doch sei vergangenes Jahr Heimarbeit verboten worden.

Frank Lu vom Informationszentrum in Hongkong berichtete, allein die Stadt Chongqing schulde ihren Lehrern noch 420 Mio. Yuan (mehr als 100 Mio. Mark) an Gehältern. «Viele Schulen müssen wie die Fanglincun-Schule Geld auftreiben, um die Ausgaben und die Gehälter der Lehrer zu zahlen.» Die Rettungsarbeiten dauerten über die Nacht an. Etwa 300 Soldaten, Polizisten und Feuerwerkmänner seien im Einsatz gewesen, berichtete der Chiuna News Service.

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