42 Werte haben seit Januar verloren
Fondsmanager sehen wenig Kurspotenzial für die Aktien im Euro-Stoxx-50

Ein kurzes Stöhnen, dann Stille in der Leitung. Klaus Martini, Chef des Europa-Aktienfondsmanagements bei der Investmentgesellschaft DWS, überlegt. Welche der Aktien denn momentan im Euro-Stoxx-50 interessant seien? "Wirklich herausragende Unternehmen sind im Moment schwer zu finden", sagt er schließlich diplomatisch.

HB FRANKFURT/M. Martini ist vorsichtig geworden. Dies liegt an der schlechten Entwicklung, die der Euro-Stoxx-50, Index der 50 wichtigsten Standardwerte der Euro-Zone, in den vergangenen Monaten hingelegt hat: Seit Jahresbeginn ist er um fast 20 % auf 3 884 Punkte gefallen. 42 der 50 Werte haben seit Januar an Wert verloren. Am stärksten erwischt hat es die "Blue Chips" aus dem Technologie- und Telekombereich: Alcatel minus 71 %, KPN minus 62 %, Nokia minus 56 %.

Nun jedoch auf die bisherigen Verlierer zu setzen, hält Martini für falsch: "Die Unternehmen in diesem Bereich müssen erstmal ihre Überkapazitäten abbauen", sagt er. Der gesamte Euro-Stoxx-50 leide zudem unter den schlechten Konjunkturaussichten für Europa und die USA: "Es gibt Potenzial für eine Rally innerhalb dieses Bärenmarkts, doch die letzten Kursverluste haben wir noch nicht gesehen", sagt Martini. Sein Kollege Hans-Peter Schupp, der für Julius Bär den Euroland Value Stock Fund managt, ist etwas optimistischer: Er rechnet für die kommenden Monate mit einer volatilen Seitwärtsbewegung des Euro-Stoxx-50. "Nach den Kursverlusten ist der Index jetzt fair bewertet."

Wer dort nach Aktien schaut, die 2001 an Wert gewonnen haben, muss genau hingucken. Stark zulegen konnten nur die Aktien des Autobauers Daimler-Chrysler (+16 %), die Bank BNP Paribas (+8 %) und der Öl- und Energiekonzern Repsol (+6 %). Bei Daimler-Chrysler gefallen den Analysten von Merck Finck die Kostensenkungen in der Produktion sowie die Fortschritte bei der Sanierung der US-Autosparte Chrysler. "BNP Paribas profitiert noch von dem Fusionseffekt", sagt Martin Peter von West LB Panmure.



Aventis ist durchaus interessant

Im Jahr 1999 hatten sich die Banken BNP und Paribas zusammen geschlossen - 2001 will die Bank 80 % der Kostensynergien realisieren. Den Kurssprung von Repsol erklärt ein UBS Warburg-Analyst mit Übernahmefantasien und dem hohen Ölpreis. Dass die Stoxx-Stars von gestern auch die Gewinner von morgen sein werden, glaubt Martini aber nicht. Aufgrund des weltweiten Anstiegs der Prämien sieht er Versicherungsunternehmen im Aufwind. Außerdem findet der Fondsmanager die Aktie des Pharmaunternehmens Aventis interessant, da sie defensive Qualität habe.

Auch der Medienkonzern Vivendi Universal stelle sich "momentan sehr gut auf". Der Konzern will die gesamte Wertschöpfungskette im Medienbereich selber abdecken und eigene Inhalte möglichst auch über eigene Plattformen vermarkten. Schupp hingegen sucht die Werte für seinen Fonds nach der sogenannten "Value"-Methode aus, die sich an fundamentalen Unternehmensdaten orientiert. Im Vergleich zu ihren Branchen seien Volkswagen und Eni relativ billig, sagt er. Doch die interessantesten Werte finde man ohnehin nicht im Euro-Stoxx-50. "Dort stehen die Werte zu sehr im Rampenlicht und sind so relativ teuer."

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