45. Luftfahrtmesse in Paris startet
Luftfahrt sieht wieder Lichtblicke

Trotz schwerer Branchenkrise werden die großen Flugzeugbauer in der nächsten Woche neue Milliardenaufträge feiern.

DÜSSELDORF. Lange ersehnte Positivmeldungen hellen pünktlich zum Start der 45. Luftfahrtmesse in Paris die Stimmung in der Branche auf. Der Höhepunkt der SARS-Epidemie im letzten verbliebenen Wachstumsmarkt der Luftfahrt, Asien, scheint überschritten, einige Airlines weiten ihre Flugpläne wieder aus, und Banken reagieren mit ersten Kaufempfehlungen für die seit Monaten schwer unter Druck stehenden Luftfahrt-Aktien.

Mit Verweis auf die einsetzende Erholung des Asiengeschäfts stufte das Bankhaus Metzler gestern etwa die Aktie der Deutschen Lufthansa von Verkaufen auf Kaufen hoch. Mit einem Umsatz- und Ertragsanteil von mehr als 20 % ist Deutschlands größte Fluggesellschaft überaus stark in Asien vertreten. Goldman Sachs empfiehlt in seiner jüngsten Studie Aktien des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS zum Kauf. Die Zugewinne im Verteidigungsbereich würden den Rückgang beim Flugzeugbauer Airbus ausgleichen, schreiben die Analysten. EADS hält 80 % der Anteile an Airbus.

Die aufmunternden Worte kurz vor der wichtigsten Branchenmesse des Jahres ändern allerdings wenig an der nach wie vor kritischen Lage: Die Geschäfte vor allem im zivilen Flugzeugbau laufen schlecht, und die weiteren Aussichten sind mit Blick auf viele hochdefizitäre Fluglinien alles andere als rosig.

Vorbei die Zeiten, als Boeing - wie zuletzt 1999 - noch 620 Flugzeuge in einem Jahr auslieferte. 2003 wird der langjährige Weltmarktführer mit einer geplanten Stückzahl von 280 Maschinen wohl erstmals hinter den Rivalen Airbus zurückfallen. Die Europäer gehen von 300 Auslieferungen für 2003 aus.

Es ist ein Prestigeerfolg für Airbus, mehr nicht. Denn auch der europäische Flugzeugbauer spürt die Branchenkrise kräftig und senkt eifrig die Kosten, weil der hohe Entwicklungsaufwand für den neuen Riesen-Airbus A380 im laufenden Jahr erstmals mit mehr als 1 Mrd. Euro zu Buche schlagen wird. "EADS und Airbus stehen 2003 und 2004 vor großen Unsicherheiten", heißt es bei der Investmentbank Lehman Brothers. Die Airbus-Zentrale in Toulouse sieht die Lage einigermaßen entspannt: "Gemessen an der Krise der gesamten Luftfahrtbranche geht es uns vergleichsweise gut", sagte ein Sprecher. Während der Paris Airshow werde man in der nächsten Woche "einige gute Geschichten" vorweisen können.

Immerhin dürfte Airbus dort seine Ambitionen als neue Nummer eins im zivilen Flugzeugbau nachhaltig unterstreichen: Auf die Europäer entfällt in Paris wohl das Gros neuer Milliarden-Aufträge, deren Verkündung sich die Verhandlungspartner traditionell für das weltgrößte Branchen-Event aufsparen. Aufstrebende Fluggesellschaften wie Emirates Airlines und Qatar Airways wollen die prominente Bühne auf dem Flughafen Le Bourget nutzen, um ihre aggressiven Wachstumspläne kundzutun. Allein Scheich Ahmed bin Saeed al Maktoum, Chef der Dubai-Staatslinie Emirates, will mehr als 60 Großraumflugzeuge im Wert von rund 10 Mrd. $ bestellen. Brancheninformationen zufolge kann Airbus dabei auf 23 Bestellungen für den neuen Doppeldecker A380 sowie auf zehn Langstreckenjets vom Typ A340-600 hoffen. Auch Qatar Airways, die für das Jahr 2005 erstmals Langstreckenflüge in die USA anpeilt, will in Paris eine Milliarden-Order über 30 neue Flugzeuge bekannt geben.

Dass die Flugzeugbauer in einem derart widrigen Umfeld kräftig Rabatte geben müssen, um solche Großaufträge überhaupt an Land ziehen zu können, gilt in der Branche als offenes Geheimnis. Deshalb hat das Krisenmanagement derzeit oberste Priorität: Boeing hat angekündigt, diesmal mit 35 bis 40 % weniger Personal nach Paris zu kommen.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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