450 000 Bürger müssen Fragebögen ausfüllen
Testlauf für neue Volkszählung beginnt nächste Woche

In der ersten Dezemberwoche beginnt der Testlauf für eine neue Volkszählung in Deutschland. Anstelle der bisherigen Befragung aller Einwohner sollen zukünftig überwiegend Daten aus Verwaltungsdateien genutzt werden, wie Innenstaatssekretär Fritz Rudolf Körper sagte.

afp BERLIN. Mit der Umstellung auf ein registergestützes Zensusverfahren wolle die Bundesregierung einen Beitrag zur Modernisierung der Verwaltung leisten.

Ob ein registergestütztes Zensusverfahren auch tatsächlich zuverlässig ist, soll ab dem 5. Dezember in 555 Gemeinden an 450 000 Bürger erprobt werden. Interviewer der Statistischen Landesämter befragen ausgewählte Personen unter anderem nach Namen, Familienstand, Geschlecht und danach, ob ihre Wohnung ein Haupt- oder Nebenwohnsitz ist, teilte der Präsident des Statistikamts, Johann Hahlen, mit. Außerdem sollen Hauseigentümer zu ihren Gebäuden und Wohnungen befragt werden. Die Ergebnisse werden in den Statistischen Landesämtern mit den aus den Melderegistern übermittelten Daten verglichen.

Darüber hinaus liefern alle Gemeinden für eine so genannte Geburtstagsstichprobe die Datensätze von Personen, die am 1. Januar, 15. Mai oder 1. September Geburtstag haben oder deren Geburtsdaten unvollständig sind. Dadurch sollen die Melderegister bundesweit auf Mehrfachmeldungen untersucht werden. Der Umfang dieser Stichprobe wird circa 1,5 Prozent der Bevölkerung betragen, sagte Hahlen.

Die Tests sollen bis Mitte 2002 laufen. Erste Ergebnisse sind 2003 zu erwarten. Danach wird das Statistische Bundesamt Empfehlungen für einen künftigen Zensus in Deutschland vorlegen. Der Bundestag muss dann über den Zeitpunkt und die Ausgestaltung einer Volkszählung entscheiden. Die Volkszählung "neuen Typs" sieht die Nutzung demographischer Daten aus den Melderegistern, Daten der Bundesanstalt für Arbeit sowie Gebäude- und Wohnungsdaten vor, die zu einem kombinierten Datensatz zusammengeführt werden.

Eine Volkszählung ist laut Körper für politische Planungsprozesse, wirtschaftliche Entscheidungen und wissenschaftliche Untersuchungen notwendig. So ist die durch den Zensus festgestellte amtliche Einwohnerzahl eine Bemessensgrundlage für den Länderfinanzausgleich, die Einteilung der Wahlkreise und die Besoldung von Bürgermeistern und Landräten. Die Kosten für den Testlauf liegen bei knapp 50 Millionen Mark, die eigentliche Volkszählung wird nach Schätzung des Innenstaatssekretärs zwischen 100 und 150 Millionen Mark (51,13 und 76,69 Millionen Euro) kosten.

Wer den Testlauf verweigert und den Fragebogen nicht ausfüllt, kann ein Bußgeld bekommen, betonte Hahlen. Der Statistik-Chef zeigte sich jedoch sehr zuversichtlich, dass die Interviewer "an den Haustüren die richtigen Worte" finden werden. Verhaltene Skepsis zeigte Helmut Fogt, Vertreter des Deutschen Städtetags, aufgrund der geplanten neuen Methode. "Wir können dem neuen Verfahren nicht ohne Vorbehalte zustimmen", sagte er. Die zukünftige Qualität müsse mindestens genauso gut sein wie eine herkömmliche Volkszählung.

Die letzte Volkszählung im alten Bundesgebiet 1987 hat fast eine Milliarde Mark gekostet. Sie wurde von heftigen Protesten und vielfachem Boykott unterschiedlichster gesellschaftlicher Gruppen begleitet.

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