46 Passagiere im Flugzeug
Angebliche Flugzeugentführung hielt Indien stundenlang in Atem

Berichte über eine angebliche Flugzeugentführung haben in der Nacht zum Donnerstag die indische Bevölkerung stundenlang in Atem gehalten. Erst als Sicherheitskräfte die Boeing 737 auf dem Indira-Gandhi-Flughafen in Neu Delhi stürmten, stellte sich heraus, dass es sich um einen falschen Alarm handelte, wie der Minister für zivilie Luftfahrt, Shahnawaz Hussain, mitteilte. Ein anonymer Anruf bei der Flugüberwachung in der Stadt Ahmedabad habe die "Verwirrung" ausgelöst.

afp NEU DEHLI. Kurz nach dem Start der Maschine der Fluggesellschaft Alliance Air vom Flughafen in Bombay erreichte den Tower die Meldung, die Maschine sei entführt worden. Nach Angaben des Ministers gaben sie Fluglotsen die Meldung an die Besatzung der Boeing weiter. Um einen Anschlag wie am 11. September in New York zu verhindern, schloss sich die sechsköpfige Besatzung daraufhin im Cockpit ein und steuerte den Flughafen Neu Delhi an. "Die Piloten dachten, die Entführer seien im Passagierraum und die Passagiere glaubten, die Luftpitraten befänden sich im Cockpit", erläuterte der Minister die Verwirrung an Bord.

Ebenso wie bei den Flugzeugentführungen in den USA riefen einige der 46 Passagiere ihre Verwandten mit dem Handy an. "Wir wissen nicht, wo die Entführer sind und welche Waffen sie haben", sagte K. S. Jain seinem Bruder am Telefon. Militär und Regierung trafen Sicherheitsmaßnahmen: Der Luftraum über den großen Städten des Landes werde überwacht, teilte die Luftwaffe mit. Die Nationalgarde bereitete den Sturm der Maschine vor, auf dem Flughafen herrschte Alarmzustand. Innenminister L.K. Advani kündigte eine Dringlichkeitssitzung an. Ein Vertreter der indischen Luftfahrbehörde, A.H. Jang, sagte, die Entführer seien derart bedrohlich, dass die Piloten die Türen des Cockpits nicht öffnen könnten. Von Seiten der Regierung hieß es, bei den Entführern handele es sich um zwei nur wenig Englisch sprechende Männer.

Vier Stunden nach der angeblichen Entführung stürmten die Sicherheitskräfte schließlich die Boeing. Dort stellten sie fest, "dass es anscheinend gar keine Entführung gegeben hatte", sagte der Minister für zivilie Luftfahrt. Passagiere berichteten, die Sicherheitskräfte überwältigten und schlugen einen Reisenden, den sie für einen der Entführer gehalten hätten. Auch wenn es sich um einen falschen Alarm gehandelt habe, so habe der Vorfall doch gezeigt, dass die indischen Behörden in der Lage seien, "absolut effizient" auf derartige Situationen zu reagieren, betonte Minister Hussain.

In Indien gibt es immer wieder Anschläge von Islamisten. Erst am Montag waren bei einem Selbstmordanschlag im indischen Teil von Kaschmir 38 Menschen getötet worden. Nach der Entführung einer Maschine der Indian Airlines von Nepal nach Kandahar in Afghanistan an Weihnachten 1999 waren die Sicherheitsvorkehrungen im indischen Flugverkehr verschärft worden.

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