460 Beratungsstellenn
Rentenkonzern kommt täglich 60 000 Briefe

Brigitte Hassenberg glaubt fest, dass ihre Rente sicher ist. Die 59-jährige Berlinerin steht kurz vor ihrem Ausstieg aus dem Berufsleben. Darum hat sie sich mit ihrer Freundin auf den Weg in die Beratungsstelle der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) gemacht, um ihr Ruhegeld zu beantragen.

ddp BERLIN. Dort warten sie seit drei Stunden vor den 40 Beratungskabinen. "Unsereins braucht sich keine Sorgen um die Rente zu machen", ist Hassenberg überzeugt. "Doch die jungen Leute haben große Angst", weiß sie. Vor allem, weil diese oft nur gering bezahlte oder befristete Stellen bekämen. "Wenn sie selbst so wenig verdienen, wie sollen sie da Geld für die private Vorsorge zur Seite legen?"

Gegenüber sitzt Sandra, eine 22-jährige Berlinerin. Sie will zwar nur ihren Sozialversicherungsausweis beantragen, doch die Sorge um ihre Rente treibt auch sie um. "So richtig weiß ich gar nicht, was da auf mich zukommt", sagt sie. Auch ist sie sich nicht sicher, ob sie selbst noch ein ausreichendes Einkommen im Alter haben wird. "Mein Freund hat mir gesagt, wir werden eine andere Rente bekommen. Das hat mich beruhigt."

Die Rente ist für die meisten Menschen ein Buch mit sieben Siegeln. BfA-Sprecher Rainer Helbing kennt die Ratlosigkeit der 30 Millionen BfA-Versicherten nur zu gut. "Die Unsicherheit ist nach der Reform noch größer als vorher. Es besteht ein ungeheurer Beratungsbedarf." Laut Alfred Verstegen, der die Berliner Auskunftsstelle leitet, sind die Nachfragen immer auch davon abhängig, was gerade durch die Medien geistert.

BfA-Infokasten: Rentenkonzern für 30 Millionen Versicherte

Schon jetzt gehen täglich 60.000 Zuschriften und 1.000 E-Mails bei der BfA ein, Tendenz steigend. Die 460 bundesweiten Beratungsstellen sind stets voll. Sie sind zuständig für sämtliche Fragen und Probleme rund um die Rente, aber auch zur beruflichen Rehabilitation. Die meisten Unklarheiten beziehen sich auf die private Alterssicherung, die mit der Reform neben der gesetzlichen Rente als zweite Säule eingeführt werden soll, indem sie staatlich gefördert wird. "Einige denken, sie kriegen kostenlos etwas dazu. Andere wiederum meinen, die private Vorsorge sei Pflicht", erläutert Helbing.

Für Verwirrung sorgt auch, dass die privaten Anbieter mit ihren Angeboten bereits in den Startlöchern stehen und munter eine "Förderrente" versprechen. Doch die Zertifizierung dieser Produkte ist noch nicht abgeschlossen und so ist auch nicht klar, ob sie den Riester-Kriterien jemals entsprechen werden. "Wir können nur raten, bloß nicht in Hektik zu verfallen", sagt Helbing. Zwar gibt es die Zulagen in Höhe von vier Prozent des Bruttolohns ab Januar nächsten Jahres, doch kann bis Ende 2002 ein Vertrag abgeschlossen werden, um rückwirkend die Förderung zu erhalten.

Die breite Verunsicherung hat nach Ansicht von BfA-Geschäftsführer Klaus Michaelis ihre Ursachen auch in dem scheinbar endlosen Vorlauf der Rentenreform. Ideen seien auf den Tisch gekommen, die kurze Zeit später wieder verworfen wurden. Als Nachteil empfindet Michaelis auch, dass sich die Bundestagsparteien nicht auf ein gemeinsames Modell einigen konnten. Und das, obwohl die Unterschiede eigentlich marginal waren.

Rentenkonzern hat 700 Berater

Auf Anfragen zur privaten Vorsorge sind die rund 700 Berater des Rentenkonzerns vorbereitet. Allerdings gilt zurzeit noch die Devise: Abwarten, was kommt. Doch wenn es im nächsten Jahr soweit ist, werden die BfA und die anderen Rentenversicherer ihren Kunden die verschiedenen Produkte vorstellen. Helbing warnt allerdings: "Empfehlungen oder Renditeberechnungen kann es nicht geben. Wir können nur eine Wegweiserfunktion wahrnehmen." Auf jeden Fall seien nicht immer diejenigen Angebote die besten, die die höchste Rendite versprächen. Vielmehr muss der einzelne abwägen, was für ihn die beste Variante ist - ob Lebensversicherung, Pensionsfonds oder Direktversicherung.

Wer schon mal zwischendurch seine erworbenen Anwartschaften ausrechnen lassen möchte, kann sich an eine der Beratungsstellen wenden. Der Service ist kostenlos. Ebenso ist möglich, per Internet eine Anfrage zu stellen. Sind die Konten "geklärt" und alle rentenrechtlichen Zeiten nachgewiesen, ist die Berechnung nur ein Knopfdruck, wie Verstegen erklärt. Laut der Medienbeauftragten Sabine Morch ist es auf jeden Fall einfacher, die künftige Rente direkt von der BfA ausrechnen zu lassen, als dies mit einem auf CD-ROM erhältlichen Programm selbst zu versuchen.

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