5,5 Prozent mehr Lohn gefordert - Auch Berlin vor neuer Tarifrunde
Erste Warnstreiks im bayerischen Einzelhandel

Mit Warnstreiks in der Oberpfalz haben Beschäftigte des bayerischen Einzelhandels am Montag ihrer Forderung nach deutlichen Lohnerhöhungen Nachdruck verliehen. Ab 6 Uhr wurde ein Lager der Discount-Kette Norma in Regenstauf bestreikt, so dass über 100 Filialen in der Oberpfalz und in Niederbayern nicht beliefert werden konnten.

ddp-vwd/ap MÜNCHEN/BERLIN. Wie die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) in München mitteilte, beteiligten sich fast alle der rund 50 Beschäftigten in dem Lager an dem Warnstreik. Die Aktionen sollen in den nächsten Tagen fortgesetzt werden. Ein Gewerkschaftssprecher versicherte zugleich, dass aus Rücksicht auf die Verbraucher nicht flächendeckend gestreikt werde. "Gezielte Nadelstiche" sollen die Arbeitgeber treffen.

Arbeitgeber wie Norma, die nicht Mitglied im bayerischen Arbeitgeberverband seien, sollen nach Gewerkschaftsangaben im Tarifstreit besonders ins Visier genommen werden. Der Regensburger Verdi-Geschäftsführer Frank Leibig sagte: "Wir wollen von Norma einen Anerkennungstarifvertrag, der unseren Mitgliedern die Anwendung aller Tarifverträge und die Umsetzung von Lohnerhöhungen im bayerischen Einzelhandel rechtlich verbindlich zusichert."

"Gleiches Geld für gleiche Leistung"

Konkret gefordert werden 5,5 Prozent mehr Geld, mindestens aber 100 Euro. Außerdem verlangen die Streikenden "gleiches Geld für gleiche Tätigkeit und Leistung und damit endlich ein Ende der Lohndiskriminierung für Beschäftigte in ländlichen Regionen". Das bestreikte Norma-Lager sei vor anderthalb Jahren von Regensburg nach Regenstauf verlegt worden. Dort sei eine Bezahlung von 140 Mark monatlich weniger vorgesehen.

Im Verlauf der Woche sind Protestaktionen, Urabstimmungen und Arbeitsniederlegungen in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und dem Saarland geplant. Bereits in den zurückliegenden Wochen war es in Niedersachsen in 30 Betrieben zu Arbeitsniederlegungen, Warnstreiks und Protestveranstaltungen gekommen. Daran beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben über 2 500 Beschäftigte des Einzelhandels. Die Verhandlungen werden regional in 16 Tarifbezirken geführt, die mit den jeweiligen Bundesländern identisch sind.

Kritik von den Arbeitgebern

Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) reagierte mit Kritik auf die von Verdi angekündigten Streiks. Es sei enttäuschend, dass Verdi das fortsetze, was vorher die Gewerkschaft HBV gemacht habe, sagte HDE-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr. Die Forderung von Verdi nach Einkommenssteigerungen von 5,5 Prozent sei in Anbetracht der schwierigen Lage des Einzelhandels "völlig überzogen". Ein Tarifabschluss müsse sich "ganz klar unterhalb des Produktivitätszuwachses bewegen", sagte Pellengahr. Dieser liege im Einzelhandel bei 1,5 Prozent.

Auch in Berlin und Brandenburg steht neue Tarifrunde an

Auch in Berlin hat die Gewerkschaft Verdi am Montag für den Berliner und Brandenburger Einzelhandel eine Anhebung der Löhne und Gehälter um 5,5 Prozent gefordert. Zudem sollten die Ausbildungsvergütungen um 7,8 bis 8,3 Prozent steigen. Im Hinblick auf die bereits laufenden Tarifverhandlungen in den anderen Bundesländern wolle man in Berlin und Brandenburg zu einem schnellen Abschluss kommen. Ansonsten sei mit einem baldigen Tarifkonflikt zu rechnen, hieß es von Gewerkschaftsseite.

Unterdessen forderten die Gewerkschaften HBV und DAG die Arbeitgeberverbände auf, noch vor Ablauf der Tariflaufzeit am 30. Juni die Verhandlungen aufzunehmen. Zudem sei unverständlich, dass der im letzten Jahr vereinbarte Einstieg in die tarifliche Altersvorsorge bis heute noch nicht in einem Tarifvertrag ausformuliert worden sei, hieß es weiter.

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