50 Millionen Euro Einsparungen
Babcock verschiebt Gehaltszahlung

Die Belegschaft des angeschlagenen Babcock-Konzerns will durch Lohnverzicht 50 Millionen Euro zur Sanierung des angeschlagenen Anlagenbauers beisteuern.

Reuters/vwd/dpa OBERHAUSEN. Nach Einschätzung von Unternehmenskreisen steigt damit die Chance, dass auch die Banken finanzielle Hilfe leisten und die drohende Zahlungsunfähigkeit noch abgewendet werden kann. Der Babcock-Konzern hat unterdessen mit dem Betriebsrat vereinbart, die Fälligkeit der Juni-Gehälter um sechs Tage aufzuschieben und damit eine unmittelbar drohende Zahlungsunfähigkeit verhindert. Die Gehälter müssten nun erst am 3. Juli gezahlt werden statt am 27. Juni.

Babcock-Borsig-Lieferanten genießen ab sofort keinen Versicherungsschutz mehr für ihre Waren. Die Warenkredit-Versicherer haben mitgeteilt, bis auf weiteres keine Deckung mehr zu gewähren. Babcockschließt nicht aus, von einigen Lieferanten zunächst nicht mehr beliefert zu werden. In solchen Fällen werde Babcock mit den Lieferanten sprechen, um ihnen eigene Sicherheiten anzubieten.

Den Beschäftigten des Maschinenbau-Konzerns Babcock Borsig droht ein massiver Stellenabbau. Nach dem Sanierungskonzept der Unternehmensberatung Roland Berger sollen in Deutschland zwischen 1000 und 1500 Stellen wegfallen. Weltweit solle die Zahl der Mitarbeiter durch Aufgabe und Verkauf von Produktionsstätten um 7000 auf 15000 sinken, berichtete Konzernbetriebsrats-Vorsitzender Heinz Westfeld am Dienstag in Oberhausen.

Bis Ende 2003 wollen die tarifgebundenen Arbeitnehmer wie auch die leitenden Angestellten durch Lohnverzicht die geforderte Summe aufbringen. Bei Bedarf werde rechtzeitig über eine Verlängerung der Vereinbarung verhandelt.

Von den 50 Millionen Euro Einsparungen leisten die tarifgebundenen Beschäftigten einen Beitrag von 26 Millionen Euro. 16 Millionen Euro sollen die außertariflich bezahlten Mitarbeiter und die leitenden Angestellten beisteuern. Der Rest sei noch nicht genau festgelegt.

Bis Ende 2003 verzichten die Mitarbeiter auf ihre Tariferhöhungen. Außerdem soll die Zahl der Wochenarbeitsstunden um eine auf 34 verkürzt werden, wobei der Lohn entsprechend gekürzt werde. Die Vereinbarung wird hinfällig, sollte Babcock dennoch zahlungsunfähig werden und Insolvenz beantragen müssen. Bei Babcock sind in Deutschland knapp 13.000 Menschen beschäftigt, weltweit rund 22.000.

Babcock braucht kurzfristig 200 Millionen Euro, sonst könnten die Gehälter für Juni nicht gezahlt werden. Die Banken hatten die Belegschaft aufgefordert, davon 50 Millionen Euro aufzubringen. Nach den Zugeständnissen der Belegschaft sei es nun an den übrigen Beteiligten, den Fortbestand der Gesellschaft zu sichern, erklärte Babcock-Vorstand Gerd Woriescheck.

Banken wollen bis zum Abend entscheiden

Aus Bankenkreisen hieß es am Dienstag, man werde voraussichtlich bis zum Abend über Babcock entscheiden. Babcock-Vorstand Woriescheck erklärte, alle notwendigen Entscheidungen müssten bis Mittwoch früh getroffen sein. Der Hilfsbeitrag der Mitarbeiter wurde als gutes und notwendiges Zeichen gewertet. Dennoch lasse man sich durch solche Vereinbarungen nicht unter Druck setzen. Wichtig sei, ein tragfähiges Konzept zu erarbeiten. Von kurzsichtigen Aktionen habe niemand etwas.

Grundlage der Verhandlungen in Frankfurt ist ein Sanierungskonzept für Babcock, das von der Unternehmensberatung Roland Berger ausgearbeitet wurde. Es sieht im Kern die Konzentration des Traditionsunternehmens auf die Energietechnik und den Verkauf von nicht dazu gehörenden Unternehmensteilen vor. Dadurch soll der Jahresumsatz von 4,5 Milliarden Euro auf eine Größenordnung von zwei bis 2,5 Milliarden Euro schrumpfen.

Das Konzept basiert auf Überlegungen, die der Babcock-Vorstand nach der überraschend angekündigten Trennung von seiner Werftenbeteiligung HDW erarbeitet hatte. Babcock hat inzwischen die Hälfte seiner gut 50-prozentigen HDW-Beteiligung an den US-Investor One Equity Partners (OEP) verkauft und will sich erklärtermaßen auch vom Rest trennen.

Zu den Kernbanken des Oberhausener Traditionskonzerns gehören die drei Frankfurter Geldhäuser, Deutsche Bank , Dresdner Bank und Commerzbank sowie die WestLB . WestLB und Deutsche sind auch mit jeweils knapp neun Prozent an dem Anlagenbauer beteiligt.

Chefsessel verwaist

Während der akuten Finanzkrise bleibt der Chefsessel im Babcock-Vorstand leer, da der bisherige Vorstandschef Klaus Lederer sein Amt vor zwei Wochen abgab. Sein designierter Nachfolger, Steag-Chef Jochen Melchior, hat sein Kommen von der allseitigen Unterstützung des Sanierungskonzeptes anhängig gemacht. Wenn Melchior käme, wäre das ein gutes Zeichen, dass Babcock doch noch eine Überlebenschance hat, heißt es in der Branche.

An der Börse bremste die Nachricht über die Sanierungshilfen die mehrtägige Talfahrt der Babcock-Aktie und verhalf ihr zu einem kräftigen Aufschwung. Am Nachmittag wurden Babcock-Titel mit 2,14 Euro gut 38 Prozent höher gehandelt.

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