50 Millionen von Automobil-Herstellern
Bonus für den roten Mythos

Ferrari war der große Sieger beim Großen Preis von Spanien - sowohl sportlich wie finanziell. Denn die geplante Konkurrenzserie lässt sich die Teilnahme der Italiener viel kosten. Großer Verlierer des Wochenendes war McLaren-Mercedes, beide Fahrer schieden aus.

BARCELONA. Es war die schnellste Brecht-Interpretation aller Zeiten: "Und der Haifisch, der hat Zähne..." Ferraris Neuvorstellung F 2003 GA hat Michael Schumacher den erwarteten Biss gegeben. Das Debüt des Rennwagens, der seinen Kosenamen wegen der kiemenartigen Luftauslässe am Heck trägt, bescherte dem Titelverteidiger mit dem Sieg beim Großen Preis von Spanien einen Hattrick auf der Piste vor den Toren Barcelonas.

Wichtiger noch für Ferrari - hinter dem neuen Superstar Fernando Alonso belegte Rubens Barrichello Rang drei - war der Totalausfall der Silberpfeile von McLaren-Mercedes. In der WM sieht es ganz nach einer Trendwende aus: Michael Schumacher (28 Punkte) hat nur noch vier Zähler Rückstand auf Kimi Räikkönen, Dritter ist jetzt Fernando Alonso (25). In der Konstrukteurswertung führt McLaren-Mercedes (51) mit drei Punkten vor Ferrari.

Ein souveräner, aber kein ganz leichter Sieg für den strahlenden Titelverteidiger: "Ich bin froh, dass wir hier mit dem neuen Auto angetreten sind. Mit dem alten hätten wir das nicht geschafft. Der neue Ferrari ist etwas ganz Besonderes, er funktionierte so wunderbar. Ich liebe ihn so sehr. Er ist nicht nur wunderschön, sondern auch sauschnell." Die größte Aufregung herrschte am Start, als Lokalmatador Alonso mit dem Renault sofort an Rubens Barrichello vorbei schoss, Spitzenreiter Michael Schumacher bedrängte. Doch in der zweiten Kurve eroberte sich der zweite Ferrari den zweiten Platz zurück. Da war das Drama ganz am Ende des Starterfeldes bereits passiert: WM-Tabellenführer Kimi Räikkönen, der nach einem Ausrutscher im Einzelzeitfahren von ganz hinten los musste, fuhr auf den stehen gebliebenen Antonio Pizzonia auf. Weiter vorne lädierten Jarno Trulli und David Coulthard im Gedränge ihre Autos. Safety-Car-Pilot Bernd Mayländer musste während der Aufräumarbeiten vier Runden lang das Rennen einbremsen. Für Spannung sorgte danach die Aufholjagd des einzig verbliebenen Silberpfeils von David Coulthard. Allerdings nur bis Runde 18, als der Schotte sich im Überholduell mit Jenson Button von der Piste kreiselte.

Die größte Gefahr für einen Sieg-Hattrick Michael Schumachers in Spanien drohte bei den Überrundungsmanövern, die Boxenstopp-Reigen brachten stets nur kurz Verschiebungen an der Spitze. Einmal unterhielt das Schumachersche Bruderduell das Publikum: Ralf leistete zweimal Gegenwehr, ein Verbremser brachte Michael wieder vorbei und zurück an die Spitze. Noch dramatischer gestaltete sich das Folge-Duell zwischen Alonso und Ralf Schumacher, bei dem der BMW-Pilot in der 41. Runde von der Piste abkam und sich als Fünfter wieder einreihen musste, während der Spanier seinen Ruf als kommender Super-Star festigen konnte. Pech auch für die Sauber-Piloten: Heinz-Harald Frentzen rollte in Runde 38 raus, Nick Heidfeld kassierte auf dem Weg zu Platz acht eine Boxendurchfahrtstrafe und wurde am Ende nur Zehnter. Ralf Schumacher behielt seinen fünften Rang hinter Kollege Montoya und vor dem Toyota-Piloten Cristiano da Matta.

Ebenso spannend entwickelte sich in Barcelona das Rennen um die Zukunft der Formel 1: Dass Ferrari mit einer Morgengabe von 50 Millionen Euro zur Teilnahme an der von der Herstellervereinigung GPWC geplanten Rennserie bewegt worden ist, hat ausgerechnet Konkurrent Ron Dennis, der Teamchef von McLaren-Mercedes, bestätigt: "Viele haben davon gewusst. Die Zahlung ist auch in Ordnung, wenn man die Bedeutung von Ferrari betrachtet." Ein Bonus für den Mythos. Den auf seiner Seite zu haben, ist besonders wichtig, falls es 2008 wirklich zu einer Spaltung und damit zwei Top-Rennserien kommt. Die fünf Automobilkonzerne spekulieren mittlerweile sogar auf einen Früh-Start 2005. Die ungewöhnliche Subvention (zu der angeblich weitere vier Prozent aus den Vermarktungseinnahmen kommen sollen) verträgt sich nach Ansicht empörter Kritiker aber nicht unbedingt mit dem edlen GPWC-Werten von mehr Transparenz und Stabilität.

Der bisherige Alleinherrscher Bernie Ecclestone kämpft weiter um sein Imperium und hat vor einem Schiedsgericht einen Erfolg gegen McLaren - Mercedes und BMW-Williams errungen, die vom Verkauf seiner Formel-1-Holding Slec an ein Bankenkonsortium einen Anteil von 42 Millionen Dollar wollten. Stattdessen müssen sie nun 1,1 Millionen Dollar Anwaltskosten bezahlen. Als Konter zur GPWC-Offerte hat der Brite den Rennställen einen neuen Vertrag mit höherer Beteiligung an den TV- und Vermarktungsrechten der Formel 1 vorgelegt. Max Mosley, Präsident des Automobilweltverbandes FIA, ist offenbar um mehr Frieden mit den Teams (und den dahinter stehenden Herstellern) bemüht und nimmt seine Radikal-Regelreform vom Saisonbeginn stückweise zurück. Auch die Traktionskontrolle bleibt jetzt erhalten. Das zeigt: Unter welcher Fahne die Formel 1 in Zukunft auch fahren mag - ohne die Bereitschaft zu Kompromissen geht es kaum.

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