50 Prozent Nachlass für Bahncard-Nutzer soll bleiben
Fachleute erwarten Fiasko beim neuen Bahn-Preissystem

Bahnfahren wird nach Ansicht von Experten mit dem neuen Preissystem teurer und komplizierter.

ap BERLIN. Die elf Fachleute der Initiative "Bürgerbahn statt Börsenbahn" warfen am Dienstag in Berlin Bahnchef Hartmut Mehdorn vor, er wolle unter anderem Stammkunden mit "Last-Minute-Reisen zu Maxi-Preisen" vergraulen. Das neue Preissystem, das im Herbst 2002 eingeführt werden soll, verzichtet auf Spezialtarife. Stattdessen gibt es Rabatte für Frühbucher, Familien und Gruppen.

Der Sprecher der Initiative, der PDS-Verkehrsexperte Winfried Wolf, erklärte, 90 % der Bahnkunden nutzten den Nahverkehr mit Entfernungen bis 50 Kilometer oder maximal einer Stunde Fahrzeit. In diesem Segment wolle die Bahn in jedem Fall die Preise anheben. Die Rede sei von einer Erhöhung um zehn Prozent. Wolf kritisierte, dass Mehdorn noch keinen einzigen konkreten Fahrpreis genannt habe, sondern nur Grundsätze und Rabattsätze des neuen Systems.

Heiner Monheim, Stadtplaner an der Universität Trier, forderte, die 50 % Rabatt der heutigen BahnCard (für 270 DM in der zweiten Klasse) zu erhalten. Sie dürften nicht zu Gunsten einer billigeren BahnCard (117,34 DM oder 60 Euro) aufgeben werden, die nur 25 % Grundrabatt habe.

Nach dem derzeitigen System gibt es ICE-Preise und Normalpreise, 50 % Rabatt mit der BahnCard sowie "Sparpreis" und "Supersparpreis" - egal die weit die Reise geht. Neben der 50-prozentigen Mitfahrer-Ermäßigung bietet die Bahn das "Schöne-Wochenendticket- und das "Guten-Abend-Ticket", verlangt aber auch heute schon besondere Preise für besondere Züge (wie den "Sprinter" zwischen Berlin und Frankfurt am Main).

Künftig soll der Kilometerpreis bis 140 Kilometer fix sein und dann mit zunehmender Entfernung sinken. Es wird mindestens drei Sonderrabatte für vorzeitige Buchungen (ein, drei und sieben Tage im Voraus) geben. Die BahnCard mit einem Grundrabatt von 25 % wird auch auf diese Sonderrabatte angerechnet. Hinzu kommen Gruppen- und Familienrabatte.

Neues System nicht überschaubarer

Wolf bemängelte, das neue System sei "in keiner Weise überschaubarer" als das alte. Monheim meinte, es werde "im Fiasko enden mit vielen Frustrationen".

Die Experten forderten, die BahnCard mit 50 % Rabatt zu erhalten, einen einheitlichen Grundpreis je Kilometer und einen fixen Aufschlag beim ICE. Auch sollte nach dem Modell des Schweizer "Generalabonnements" als Jahreskarte eine NetzCard eingeführt werden. Der Preis für eine solche Karte könnte bei 4 000 bis 5 000 DM (2 045 bis 2 556 Euro) in der zweiten Klasse liegen, erklärte Monheim.

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