500 Mill. Euro für Schmidt-Rettung
Consors vor dem Verkauf

Gestern Mittag traf sich der Vorstand der Consors Discount Broker AG zur Krisensitzung. Denn die Zukunft der Direkt-Bank ist völlig offen, nachdem die Muttergesellschaft Schmidt-Bank am Sonntag Abend von einem Bankenpool übernommen wurde. Die Schmidt-Bank-Tochter Consors versicherte zwar: "Die Geschäfte laufen uneingeschränkt weiter." Ein eigenständiges Weiterbestehen von Consors gilt in Branchenkreisen aber als ausgeschlossen. Es droht ein Verkauf oder eine Zerschlagung.

HB MÜNCHEN/FRANKFURT/M. Interesse an dem stark defizitären Online-Broker hatten schon viele Institute. Vor wenigen Wochen scheiterten Gespräche mit der DAB Bank. Danach winkte auch die Commerzbank wegen angeblich überzogener Forderungen des Schmidt-Bank- Chefs Karl Gerhard Schmidt ab. Auch mit der Postbank-Tochter Easytrade haben dem Vernehmen nach zuletzt Gespräche stattgefunden. Eine komplette Übernahme von Consors durch einen deutschen oder ausländischen Konkurrenten gilt in Branchenkreisen aus kartellrechtlichen Gründen aber als eher unwahrscheinlich.

Nach Informationen aus Bankenkreisen drängt inzwischen Consors-Vorstand Reto Francioni auf eine Analyse der Geschäftsbeziehungen zwischen Schmidt-Bank und Consors. Die interne Revision sei eingeschaltet, heißt es. Francioni führt Consors zusammen mit Karl Matthäus Schmidt. Dieser fungierte auch als persönlich haftender Gesellschafter der Mutter-Bank. Gleichzeitig ist Vater Karl Gerhard Schmidt Consors-Aufsichtsrats-Chef. Damit sind mögliche Interessenkonflikte denkbar. Rücktrittsgerüchte gibt es sowohl um Karl Matthäus Schmidt als auch um Francioni.

Consors teilte mit, die Geschäfte würden "unabhängig und uneingeschränkt" weiter laufen. Die Diskussion über die Zukunft hat aber bereits begonnen. Die 64,5 %-Beteiligung an Consors mit einem Börsenwert von über 420 Mill. Euro sei das einzige werthaltige Asset der Schmidt-Bank, deshalb werde die Tochter schnell versilbert, hieß es in Bankenkreisen. Die Aktie des Nemax-50-Wertes ging gestern um fast 15 % auf gut zehn Euro in den Keller. Mehrere Analysten, etwa von ABN Amro, Credit Lyonnais der M.M. Warburg, stuften die Aktie wegen der unsicheren Zukunft sofort herab.

Verkauf an einen ausländischen Interessenten ist denkbar

Ein Komplettverkauf an einen der Wettbewerber wie Comdirect oder DAB Bank gilt in Finanzkreisen als unwahrscheinlich. Comdirect dementierte gestern bereits entsprechende Gerüchte. "Das würde die Wettbewerbsposition der übrigen zu stark schwächen", meinte ein Analyst. Auch ein Verkauf an einen ausländischen Interessenten wie E-Trade oder Charles Schwab ist denkbar. Problem: Diese leiden auch unter der Börsenflaute.

Eine ernsthaft anzunehmende Lösung sei eine Aufteilung von Consors, so ein Analyst. Denkbar sei eine Unterteilung in Heavy Trader, also die aktiven Kunden, sowie "normale" Investoren. Letztere könnten zu den potenziellen Wettbewerbern Advance Bank, DAB Bank oder Comdirect wechseln. Die Heavy Trader blieben bei Consors.

Ansturm auf Schmidt-Bank-Filialen blieb aus

Ein Ansturm auf die Filialen der Schmidt-Bank blieb einen Tag nach der Rettungsaktion aus. Wie am Montag bekannt wurde, übernehmen die vier Geschäftsbanken Hypo-Vereinsbank, Dresdner Bank, Deutsche Bank und Commerzbank jeweils etwa 20 % an dem Bankenpool. Die Rettung wird der Einlagensicherungsfonds der privaten Banken zu 80 % tragen. Die übrigen 20 % teilt sich der öffentlich-rechtliche Sektor unter der Führung der Bayerischen Landesbank. Mit dabei sind auch die bayerischen Sparkassen sowie die staatliche Förderbank LfA.

Zum Ausmaß des Schadens gab es auch am Montag nur Schätzungen. Aus Verhandlungskreisen hieß es, um die Bank ordnungsgemäss weiter zu betreiben, seien bis zu 500 Mill. Euro notwendig. Sollte es aber zu einer weiteren Verschärfung der Lage kommen, könnte die Rettung auch teurer kommen. Ohnehin sei die Abwicklung der Bank in den kommenden zwei bis drei Jahren geplant. Die Bank war wegen hoher fauler Kredite in die Krise geraten.

Die Rettungsaktion über das Wochenende war dramatisch. Zunächst hatte die Bankenaufsicht eine Frist bis Freitag 14 Uhr gestellt, diese dann auf Sonntag 18 Uhr verlängert. Ansonsten hätte die Schließung der traditionsreichen Privatbank gedroht.

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