500-seitiges Gutachten an Schröder übergeben
"Wirtschaftsweisen" bescheinigen abgeschwächten Aufschwung

Die außen- und binnenwirtschaftlichen Aussichten stimmten weiterhin optimistisch, so die Mitglieder des Sachverständigenrates zu Deutschlands gesamtwirtschaftlicher Entwicklung.

adx BERLIN. Der konjunkturelle Aufschwung in Deutschland wird sich kommenden Jahr leicht abgeschwächt fortsetzen. Zu dieser Überzeugung gelangen die Mitglieder des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in ihrer Prognose für 2001. Das rund 500-seitige Gutachten wurde am Mittwoch an Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) übergeben.
Der ausführliche Text des Gutachtens steht unter www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de.

Die außen- und binnenwirtschaftlichen Aussichten stimmten weiterhin optimistisch, und der Aufschwung gewinne an Breite, betonen die fünf "Wirtschaftsweisen". Daher werde für das nächste Jahr eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts von 2,8 % erwartet. Belastet werde die konjunkturelle Entwicklung allerdings durch den erheblich gestiegenen Rohölpreis.

Lage am Arbeitsmarkt werde sich weiter entspannen

Die Lage am Arbeitsmarkt werde sich weiter entspannen, prognostizieren die Professoren Juergen Donges, Jürgen Kromphardt, Rolf Peffekoven, Bert Rürup und Horst Siebert. Die Arbeitslosigkeit sei aber immer noch viel zu hoch, und auch "konjunkturelle Expansion allein wird es nicht richten". Dies sollte "Ansporn" für den Staat und die Tarifvertragsparteien sein, "beharrlich die Bedingungen herzustellen und zu sichern, unter denen die Arbeitsuchenden eine faire Erwerbschance haben".

Bundesdeutsche Finanzpolitik war Voraussetzung für Wachstum

Die Bundesregierung habe in diesem Jahr in der Finanzpolitik wichtige Voraussetzungen für mehr Wachstum und Beschäftigung geschaffen, betont der Sachverständigenrat. Damit seien aber "längst nicht alle zentralen wirtschaftspolitischen Reformaufgaben gelöst". Es sei nach wie vor "unabdingbar, überzogene Regulierungen auf Gütermärkten abzubauen, die Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen und die Systeme der sozialen Sicherung zukunftssicher zu machen". Die Rentenreform sollte zügig umgesetzt werden, wobei sich "die als zweckmäßig erscheinenden Korrekturen" im Gesetzgebungsverfahren noch anbringen lassen müssten. Ganz oben auf der Liste des dringenden Handlungsbedarfs stünden zukunftsweisende Reformen der Arbeitsmarktordnung und des Gesundheitssystems. "Hier bewegt sich wenig", heißt es in dem Gutachten.

Wirtschaftspolitik müsse ein innovationsfreundliches Umfeld schaffen

Die Wirtschaftspolitik steht nach Ansicht des Gremiums vor einer neuen Herausforderung, die gleichzeitig die Aussicht auf einen "langfristig höheren Wachstumspfad" eröffne. Damit die Neue Ökonomie und der damit einhergehende Strukturwandel in Deutschland nicht behindert werden, müsse die Wirtschaftspolitik ein innovationsfreundliches Umfeld schaffen, das der Dynamik dieses Bereiches genügend Raum zur freien Entfaltung gebe.

Besondere Aufmerksamkeit widmet das Gutachten der Neuen Ökonomie, da die künftige gesamtwirtschaftliche Entwicklung durch die neuen Informations- und Kommunikationstechniken merklich beeinflusst würde. Alles spreche dafür, dass hier "ganz neue Felder wirtschaftlicher Aktivität entstehen können und bisher als atypisch geltende Formen der Erwerbstätigkeit an Bedeutung gewinnen".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%