5000 Mitarbeiter in Europa
Enron ist wichtigster Handelspartner der Versorger

Den angeschlagenen US-Konzern Enron sehen Marktkenner als Pionier des Energiehandels in Europa, und sein Niedergang würde den hiesigen Versorgern einen der größten Handelspartner nehmen. In mehr als 40 Ländern und mit 21 000 Mitarbeitern weltweit handelt Enron mit Strom, Gas, Metallen, Kohle, Altpapier und anderen Rohstoffen.

Reuters LONDON. In Europa ist der Konzern mit 5000 Mitarbeitern in den meisten europäischen Großstädten vertreten. In Deutschland - dem größten liberalisierten Strommarkt in Europa - wickelt Enron bislang rund 30 % des Energiehandelsvolumens ab.

Nach Einschätzung von Marktteilnehmern beruhte Enrons Hauptgeschäft des Energiehandels auf einer hohen Kreditwürdigkeit und dem Vertrauen im Markt auf die Garantien des Unternehmens. Dieses brach vor wenigen Wochen ein, als negative Nachrichten über das Finanzgebaren Enrons bekannt geworden waren. So musste der Konzern als Ergebnis von Transaktionen außerhalb der Unternehmensbilanz seine Ergebnisse für die vergangenen vier Jahre nachträglich um insgesamt 600 Mill. $ senken. Besorgte Handelspartner zogen als Folge ihre Geschäfte ab. "Bis vor zwei Monaten wurde eine Garantie von Enron bei vielen so sicher wie die einer Bank gewertet. Dann brach das ganze Kartenhaus zusammen", sagte Gerald Keenan, Energieexperte der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers.

Mitte Oktober wies Enron den ersten Quartalsverlust seit vier Jahren aus. Eine kurz darauf angekündigte Fusion mit dem Wettbewerber Dynegy scheiterte nun, nachdem Dynegy am Mittwoch eine Ausstiegsklausel und dies mit der verschlechterten Situation bei Enron begründete.

Viele Geschäftspartner reduzierten bereits vor Wochen ihr Engagement mit Enron. Der deutsche Energieversorger EnBW begann nach eigenen Angaben, Positionen zu schließen, als Ende August ein erster Verdacht aufgekommen sei. "Im September waren wir dann wirklich besorgt", sagte Markus Suessmann, Chef des Energiehandels bei EnBW. Weitere Handelspartner beendeten nach eigenen Angaben den Handel mit Enron mittlerweile komplett.

Zu den Haupthandelspartnern gehören bislang die deutschen Versorger E.ON und RWE sowie die britische Innogy und British Energy. Auch die US-Stromkonzerne TXU, AEP, Dynegy und Duke Energy handelten mit Enron. Die Internet-Plattform für den elektronischen Energiehandel EnronOnline, die 1999 ihren Dienst aufnahm und am Mittwoch den Handel beendete, galt als Standard für Energiehändler und Versorger. Etwa 60 % des Enron-Handels liefen über diese Plattform.

Neben dem Stromhandel betreibt Enron in Europa Kraftwerke in Italien, Polen, Griechenland und Großbritannien. Das Unternehmen entstand 1985 aus der Fusion der US-Versorger Houston Natural Gas und InterNorth. Die Enron-Aktien stiegen bis August 2000 auf einen Höchststand von 90,56 $. Einst wurde Enron in der Fortune-500-Liste der größten US-Unternehmen auf Rang sieben geführt. Am Mittwoch schlossen die Aktien an der New Yorker Börse bei 0,61 $ mit dem Rekordumsatz von 181,86 Mill. Aktien - mehr als je zuvor an einem Tag in einer Aktie umgesetzt wurde. Sollte Enron in Konkurs gehen, wäre dies einer der größten Firmenzusammenbrüche in der Geschichte der USA.

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