509 Minuten ohne Torerfolg: Ewald Lienen muss die Koffer packen

509 Minuten ohne Torerfolg
Ewald Lienen muss die Koffer packen

Nur 48 Stunden nach dem Fehlstart aus der Winterpause ist Ewald Lienen beim Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln entlassen worden. Nach der anhaltenden Misserfolgsserie und der 0:3-Niederlage beim TSV 1860 München sowie wütenden Fan-Protesten zog der Vorstand um Präsident Albert Caspers am Montag die Reißleine.

dpa KÖLN. "Wir bedauern diese Entwicklung, aber auf Grund der sportlichen Entwicklungen und der prekären Situation des Vereins mussten wir handeln", sagte Caspers bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz des Bundesligisten, der nach zwei sieglosen Monaten auf einen Abstiegsplatz abgerutscht ist.

Lienen, der noch einen Vertrag bis 2003 hatte, ist nach Frank Pagelsdorf (Hamburger SV), Werner Lorant (TSV München 1860) und Friedhelm Funkel (Hansa Rostock) der vierte Coach, der in der laufenden Bundesliga-Saison seinen Stuhl räumen muss. Als Nachfolger für Lienen steht zunächst Christoph John als Interimslösung zur Verfügung. Der FC-Amateurtrainer hat zusammen mit Assistent Jan Kocian am Montagnachmittag bereits das Training des Profi-Kaders geleitet und soll die Mannschaft am Mittwoch im DFB-Pokal - Viertelfinale bei Hertha BSC und am Samstag im Punktspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern betreuen.

Die Suche nach einem neuen Cheftrainer ist nach Aussage von Caspers in vollem Gange. Gesucht wird ein Fußball-Lehrer, der sich in der Bundesliga auskennt. Als möglicher Kandidat wird der zuletzt bei Hansa Rostock tätige und im Abstiegskampf erfahrene Friedhelm Funkel gehandelt.

Die Stimmung gegen den Kölner Trainer, der am Mittag von seiner Beurlaubung erfuhr, kippte nach dem 0:3 in München am Samstag endgültig. Die anhaltende Erfolglosigkeit - den letzten Sieg schaffte der FC am 24. November in St. Pauli - und die Torflaute von über acht Stunden ohne Treffer haben das Fass zum Überlaufen gebracht. Vorgehalten wurde Lienen vor allem sein undurchsichtiger Aufstellungspoker, der viele Kölner Profis völlig verunsicherte. "Erst üben wir im Trainingslager ein 3-5-2-System, und dann wird am Ende wieder alles über den Haufen geworfen", hieß es aus Spielerkreisen. Lienen selbst hat bis zuletzt an die Wende geglaubt. "Ich hätte mir zugetraut, das Ding noch zu drehen", sagte Lienen dem Vorstand.

Auch bei den Neuverpflichtungen hatte der frühere Bundesliga-Profi Lienen zuletzt kein glückliches Händchen mehr. Der für 3,07 Mill. Euro zu Saisonbeginn verpflichtete Stürmer Marco Reich konnte die Erwartungen bislang nicht erfüllen, stattdessen wurde im Laufe der Spielzeit die Defensive mit Rigobert Song und Marc Zellweger verstärkt. Zwar stand in der Folgezeit die Abwehr besser, der Erfolg blieb dennoch aus. Auch der kurzfristig verpflichtete Franzose Lilian Laslandes enttäuschte bei seinem Debüt am Samstag in München. Den Unmut der Anhänger zog Lienen endgültig auf sich, als er zum wiederholten Mal auf den torgefährlichen Kölner Kapitän und Publikumsliebling Dirk Lottner verzichtete.

Präsident Caspers hat Lienen bis zuletzt den Rücken gestärkt und den Trainer immer wieder in Schutz genommen. Angesichts der Verdienste seines Trainers, der seit dem 1. Juli 1999 bei dem damaligen Zweitligisten in der Verantwortung stand und den Club in die Bundesliga zurückführte, betonte der Vorsitzende sogar, notfalls mit Lienen wieder abzusteigen. "Wir waren auch in der Winterpause noch der festen Überzeugung, die Mannschaft auf Kurs zu bringen. Aber das hat sich leider nicht bestätigt", sagte Caspers.

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