50er & 60er
Wiederaufbau, Patriarchat, Export

Shareholder Value? Kernkompetenzen? Outsourcing? Die Unternehmens-Macher der ersten Nachkriegsjahre hätten wohl nur belächelt, was heute die Klaviatur des Managements bestimmt. Schließlich hatten sie andere Sorgen.

DÜSSELDORF. Es ging um Wiederaufbau, Neugründung, es war die Zeit der mutigen Tüftler und der zupackenden Patriarchen. Hermann Josef Abs war der bedeutendste von ihnen: Der Banker machte als Chef der 1948 gegründeten Kreditanstalt für Wiederaufbau Deutschland wieder kreditwürdig. Und er gilt bis heute als Architekt der später so genannten Deutschland AG - dem bis zum Jahrtausendwechsel gepflegten Geflecht von Beteiligungen deutscher Großunternehmen und Banken untereinander, dem Klüngelnetz und Schutzwall vor Firmenkäufern aus dem Ausland. Abs hat den Grundstein dafür gelegt, als er 1957 den Chefposten der neu gegründeten Deutschen Bank übernahm: In den darauffolgenden Jahrzehnten war er in 30 Aufsichtsräten und Beiräten großer Konzerne vertreten. Ohne den scharfsinnigen Banker ging in Deutschlands Großunternehmen lange nichts.

Im Ruhrgebiet ging zur gleichen Zeit nichts ohne Berthold Beitz. Alfried Krupp holte 1953 den damals 40-Jährigen als Generalbevollmächtigten in sein durch Kriegszerstörung, Demontage und Verkaufsauflagen gezeichnetes Unternehmen. Ohne Beitz Hartnäckigkeit und Verhandlungsgeschick wäre Krupp wohl komplett zerschlagen worden. Es waren auch diese Eigenschaften, mit denen er den Konzern aus den Krisen der späteren Jahrzehnte steuerte. Management by Leidenschaft: "Krupp, das ist mein Leben", sagte Beitz noch im Jahr 1998.

Ein paar hundert Kilometer nordöstlich des Ruhrgebiets betrat Heinz Nordhoff im Jahr 1947 das zerstörte Gelände der Volkswagen-Werke in Wolfsburg. 8 000 Arbeiter waren dort damit beschäftigt, den Schutt wegzuräumen. Der ehemalige Opelaner sollte die Montagebänder wieder zum Laufen bringen, was ihm auch gelang: Zwanzig Jahre später verkaufte VW knapp 1,7 Millionen Autos - ein Viertel davon ging bereits in die USA. Nordhoff führte VW autokratisch, er war ein Patriarch und er hatte Erfolg.

Eine Kombination, die bei vielen prägenden Managern und Unternehmern der Nachkriegsjahre zu finden ist. Sie alle hatten eine Spürnase fürs Geschäft. Max Grundig zog 1947 binnen eines Jahres in Fürth die größte europäische Radiogerätefabrik hoch und brachte UKW-Empfänger der Marke "Weltklang" unters Volk, später auch die ersten Fernsehgeräte. Leo Kirch erkannte 1955, dass das Fernsehen bald große Mengen an Spielfilmen und Serien braucht, sicherte sich bereits 1959 rund 400 Filme bei Hollywoodstudios und legte so den Grundstein für das Imperium, das mehr als 40 Jahre später aber zusammenbrechen sollte.

Es war die Zeit der rastlosen Gründer: In Hamburg brachte Axel Springer 1946 erst die "Nordwestdeutschen Hefte" auf den Markt, dann die "Hör zu" und sechs Jahre später die "Bild", mit der er das Meinungsbild von Millionen Lesern prägte. In Westfalen gab Heinz Nixdorf 1952 sein Studium auf, entwickelte im "Labor für Impulstechnik" den ersten Abrechnungscomputer und machte das Unternehmen später zum führenden Anbieter von Kompaktrechnern. Nixdorf gelang damals schon, was viele Unternehmen heute noch versuchen: enge Kontakte zu Kunden aufzubauen, mit denen er immer wieder seine Produktphilosophie überprüfte. Ausgefeilte strategische Managementtechniken kannten die Manager der 50er- und 60er-Jahre kaum: In den Top-Etagen der Konzerne herrschte eher ein vorausschauendes Planen und Machen. Schließlich war der Trend klar, und der hieß Wachstum.

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