52-jähriger soll Wirtschaft der Türkei aus Krise führen
Weltbank-Vize Dervis zum türkischen Finanzminister ernannt

Der Weltbank-Vizepräsident Kemal Dervis soll als neuer türkischer Finanzminister die krisengeschüttelte Wirtschaft des Landes reformieren.

ap ISTANBUL. Der türkische Ministerpräsident Bülent Ecevit ernannte den 52-Jährigen Dervis am Freitag zum Nachfolger des zurückgetretenen Selcuk Demiralp und stattete ihn mit weitreichenden Vollmachten im Finanzsektor aus. So wurde Dervis die Oberaufsicht über die Notenbank, alle staatlichen Banken und die Bankaufsichtsbehörde übertragen. Sureyya Serdengecti wurde neuer Notenbankchef.

Serdengecti war Stellvertreter des bisherigen Notenbankchefs Gazi Ercel, der ebenso wie Demiralp wegen der gegenwärtigen Finanzkrise bereits vor Tagen zurückgetreten war. Die Ernennung Derviss (sprich: Derwischs) war erwartet worden, da er bereits in den Medien als wahrscheinlicher neuer Minister oder Zentralbankgouverneur genannt worden war. Am Freitagmittag fand dann das entscheidende Gespräch zwischen Dervis, Ecevit und anderen Regierungsvertretern statt. Danach reichte Ecevit die Ernennung bei Staatspräsident Ahmet Necdet Sezer ein, dessen Zustimmung als sicher gilt.

Die erste Aufgabe von Dervis wird die Überarbeitung des türkischen Wirtschaftsstabilisierungesprogramms sein, das vom Internationalen Währungsfonds (IWF) mit Krediten in Höhe von elf Milliarden Dollar gestützt wird. Diese Maßnahme wurde nötig, nachdem das türkische Pfund (Lira) in der vergangenen Woche ein Viertel seines Wertes auf den internationalen Finanzmärkten eingebüßt hatte. Beobachter vertraten die Auffassung, dass die türkische Regierung mit der Ernennung von Dervis, der über gute Kontakte zu internationalen Finanz- und Wirtschaftskreisen verfügt, das Vertrauen des IWF in die türkische Wirtschaft stärken will.

Unterdessen erhöhte die Regierung nach einer Meldung der halbamtlichen Nachrichtenagentur Anatolia am Freitag die Telefontarife um 20 %. Bereits zuvor hatte sie die Preise für Erdgas, Benzin und Strom um zehn Prozent angehoben. Mit diesen Maßnahmen hofft die Regierung, die Inflation zu dämpfen, die über diesen Werten liegt. Der Nachrichtenagentur Anatolia zufolge sind die Lebenshaltungskosten in der Türkei seit Freitag voriger Woche um fast 20 % gestiegen.

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