53-Jährige wurde schon in der DDR-Opposition politisch aktiv
Marianne Birthler: Bundesbeauftragte mit sanfter Hartnäckigkeit

Die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, ist eine Frau mit sanfter Hartnäckigkeit. Obwohl das Berliner Verwaltungsgericht die Herausgabe von Stasi- Abhörprotokollen über Alt-Kanzler Helmut Kohl verboten hatte und Innenminister Otto Schily (SPD) daraus einen generellen Verschluss von Prominenten-Akten ableiten will, gibt sich Birthler entschlossen: Die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit und ihres Spitzelministeriums darf nicht eingeschränkt werden.

dpa BERLIN. Elf Jahre nach der Wende ist ein Drittel der Akten des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit noch nicht erschlossen.

"Wir brauchen zur Erforschung der Stasi-Strukturen weiter den Zugang zu den Akten", bekräftigt die 53-Jährige, die das Amt von Joachim Gauck erst im Oktober des Vorjahres übernommen hatte. Schon als Grünen-Politikerin war Birthler ihrem unbequemen Credo gefolgt: "Es darf nichts unter den Teppich gekehrt werden." Jetzt ist sie aber nach monatelangem Streit mit Schily in Urlaub abgetaucht.

"Es geht darum, die Vergangenheit nicht zu verdrängen, sondern wieder Herr der eigenen Geschichte zu werden", sagt die Mutter dreier erwachsener Töchter. Das Zusammenwachsen von Ost und West sieht sie als eine Generationenaufgabe. Sie bevorzugt es deshalb auch, nicht nur in der Politik "auf Augenhöhe miteinander zu sprechen". Lautstarke Forderungen und Drohgebärden gehören nicht zum Stil von Birthler, die bis 1983 mit dem heutigen brandenburgischen Umweltminister Wolfgang Birthler (SPD) verheiratet war.

Birthler wurde schon in der DDR-Opposition politisch aktiv. Mitte der 80er Jahre hatte sie als Mitarbeiterin der evangelischen Kirche in Ost-Berlin Kontakte zur Opposition. 1988 kam sie zur "Initiative Frieden und Menschenrechte", einer der zur Wende aktivsten Gruppen der DDR-Bürgerrechtsbewegung. Sie habe viele Menschen kennengelernt, die dem DDR-Regime widerstanden hätten. Diese hätten kein Verständnis dafür, wenn die Akten zu großen Teilen dicht gemacht würden. Es sei schließlich auch ein Verdienst der DDR-Opposition, dass es das Stasi- Unterlagengesetz gibt.

Im vereinten Deutschland engagierte sich die gebürtige Berlinerin bei den Grünen. Von 1993 bis Ende 1994 war sie Vorstandssprecherin der Partei. Zuvor war sie in der ersten brandenburgischen Landesregierung Ministerin für Bildung. Mit ihrer Ader für Realpolitik und ihrer Fähigkeit zum Ausgleich trug sie zum Erfolg der Ampelkoalition bei. Für bundesweites Aufsehen sorgte sie 1992, als sie aus Protest gegen die früheren Stasi-Kontakte von Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) zurücktrat. Dem habe sie auch heute nichts hinzuzufügen, sagt sie.

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