54-Jährige betrachtet die Ungeduld als ihre größte Schwäche
Milosevic-Jägerin Carla del Ponte: Energisch und kompromisslos

Carla del Ponte ist seit September 1999 Chefanklägerin beim UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. Die frühere Generalstaatsanwältin der Schweiz hat sich seitdem als energische und kompromisslose Ermittlerin von Kriegsverbrechen im früheren Jugoslawien einen Namen gemacht. Dabei kam ihr die Erfahrung zugute, die sie in ihrer Heimat im Kampf gegen Drogen, Geldwäsche und internationale organisierte Kriminalität erworben hat.

dpa DEN HAAG. Die erfolgreiche Jagd auf Slobodan Milosevic als prominentesten aller mutmaßlichen Kriegsverbrecher auf dem Balkan dürfte für die kleine, strenge Juristin besondere Genugtuung bedeuten. Weil sich aber andere hochrangige Angeklagte noch immer frei bewegen können, gibt sie keine Ruhe. Die 54-Jährige Tessinerin scheut deshalb auch massive Kritik etwa an der Nato nicht.

Wiederholt rief sie die Sfor-Truppen auf, Ernst zu machen mit der Verfolgung von Radovan Karadzic und Ratko Mladic. Sie haben als politische und militärische Schlüsselfiguren der bosnischen Serben im Bosnienkrieg eine Hauptrolle gespielt. Beide sind seit fast fünf Jahren wegen Völkermordes angeklagt.

Man wisse doch, wo sie sich versteckten, bemängelte die Schweizerin wiederholt, die Ungeduld für ihre eigene größte Schwäche hält. Offenbar scheue man das Risiko der Festnahme gut bewachter Dunkelmänner, ergänzte sie eher spöttisch in Interviews. Dass ihr gelegentlich arrogantes Auftreten vorgeworfen wird, stört die temperamentvolle Tessinerin wenig. Sie weiß den UN-Sicherheitsrat hinter sich.

Zuletzt schlug del Ponte vor, ihr ein Team von Verbrecherjägern zu unterstellen. Die sollten jene aufspüren, die sich bisher erfolgreich etwa im serbischen Gebiet von Bosnien dem Zugriff zu entziehen suchten. Insgesamt 16 Staatsbürger Jugoslawiens sind nach ihren Angaben derzeit angeklagt. Einige Namen stehen auf einer geheimen Liste.

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