55-Jährige überragender Wahlsieger bei Parlamentswahl
Leszek Miller: Ein Ex-Kommunist soll Polen in die EU führen

Seine Anhänger nannten ihn schon Wochen vor der Parlamentswahl in Polen "Herr Ministerpräsident"; seit Sonntagabend kann sich Leszek Miller auch selbst so bezeichnen: Bei dem Urnengang am Sonntag errang sein linkes Wahlbündnis SLD-UP einen überragenden Sieg und brachte der bislang regierenden konservativen Allianz AWSP eine vernichtende Niederlage bei.

afp WARSCHAU. Als designierter neuer Regierungschef löst der ehemalige Funktionär der polnischen Kommunisten mit seinem runden Gesicht, dem grauen Haar und dem ironischen Lächeln nun den glücklosen Jerzy Buzek ab. Eine der wichtigsten Herausforderungen für die Amtszeit des 55-jährigen Ex-Kommunisten dürfte sein, Polen in die Europäische Union zu führen.

Als Sohn einer Arbeiterfamilie begann Miller seine berufliche Laufbahn in einer Textilfabrik in Zyrardow bei Warschau. Mit 23 Jahren trat er der kommunistischen PVAP bei. Von Ehrgeiz und Fleiß getrieben, studierte er Politikwissenschaften und machte in der Partei rasch Karriere. 1989 wurde er Sekretär des Zentralkomitees. Als Mitglied der "Betonkopf-Fraktion" seiner Partei saß er am Runden Tisch mit den Vertretern der demokratischen Oppositionsbewegung "Solidarnosc", die die polnischen Kommunisten stürzte. 1993 kehrten die ehemaligen Kommunisten als Sozialdemokraten an die Macht zurück und Leszek Miller wurde zunächst Arbeits- und später Innenminister.

Spitzname "Kanzler"

Wegen seines Redetalents und seines Charmes genießt Miller bei der politischen Linken große Beliebtheit. Bei der Parlamentswahl 1997, die seine sozialdemokratische SLD verlor, erzielte er mit 124 000 Stimmen das zweitbeste Wahlergebnis im ganzen Land. 1999 wurde Miller Vorsitzender der SLD. Wegen seines autoritären Führungsstils hat er in der Partei den Spitznamen "Kanzler". Bei offiziellen Fototerminen umgibt er sich gern mit dem Parteinachwuchs. Hinter den Kulissen schart er dagegen die ehemaligen kommunistischen Apparatschiks um sich, die er zu Beratern ernannt hat.

Kritiker werfen Miller vor, in der Vergangenheit vor allem die Interessen der ehemaligen Nomenklatura vertreten zu haben. Er selbst bemüht sich, seiner Partei ein westliches Image zu verleihen. Als bekennender Europäer engagiert sich der 55-Jährige für den EU-Beitritt seines Landes. "Die Integration Polens in die EU ist keine Frage der Doktrin oder Ideologie. Es ist eine patriotische Aufgabe, weil davon die Zukunft des Landes abhängt", verkündet er auf seiner Internetseite.

Millers manchmal etwas grober Humor wird selbst vom politischen Gegner geschätzt. Die Selbsteinschätzung seiner Verdienste als Arbeitsminister aus dem Jahr 1996 ist geradezu sprichwörtlich: "Einen echten Mann erkennt man nicht daran, wie er eine Aufgabe anpackt, sondern wie er sie zu Ende führt".

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