550 radikale Islamisten festgenommen
Pakistan: Drei Demonstranten getötet

Bei anti-amerikanischen Protesten hat die pakistanische Polizei am Freitag vier Menschen erschossen. Etwa tausend zum Teil bewaffnete Demonstranten blockierten nach Polizeiangaben am Freitag eine Autobahn und eine Bahnstrecke in der zentralen Provinz Punjab.

afp ISLAMABAD/SRINAGAR. Etwa 5000 Demonstranten der Partei Jamiat-Ulema-e-Islam (JUI) und anderer radikalislamischer Gruppen setzten einen Gefangenenwagen in Brand und nahmen vier Polizisten vorübergehend als Geiseln. Bei anschließenden Zusammenstößen wurden sechs Demonstranten und vier Polizisten verletzt. Die im "Rat zur Verteidigung Afghanistans" zusammengeschlossenen islamistischen Parteien hatten zu den Protesten wegen der Zusammenarbeit von Militärmachthaber Pervez Musharraf mit den USA aufgerufen. Mit landesweit insgesamt rund 25 000 Demonstranten blieb die Resonanz jedoch geringer als von Beobachtern erwartet.

In der nordwestlichen Stadt Peshawar ging die Polizei mit Schlagstöcken und Tränengas gegen etwa 200 Steine werfende Demonstranten vor. Ein Mensch wurde verletzt, 16 Demonstranten festgenommen. In der südlichen Hafenstadt Karachi lösten Polizisten unter Einsatz von Schlagstöcken die Blockade einer Brücke auf, an der sich zahlreiche Jugendliche beteiligten. 20 Teilnehmer an den zum Teil gewalltätigen Protesten wurden festgenommen. In der Stadt Lahore im Osten des Landes nahm die Polizei fünf Demonstranten fest, die versuchten, eine Straße zu blockieren.

Mehr als 550 Islamisten hatte die Polizei bereits vor Beginn der angekündigten Demonstrationen festgenommen. Allein in Peshawar nahmen die Sicherheitskräfte nach Angaben des Innenministeriums 250 Menschen fest. In Karachi waren es etwa 150, im Lahore rund 70, in Rawalpindi nahe der Hauptstadt Islamabad um die 50 und in Quetta nahe der afghanischen Grenze 40.

Musharraf richtete in einer Sonderbotschaft an die Nation eine deutliche Warnung an diejenigen, die mit dem "Schicksal des Landes" spielten. Es werde alles getan, um Frieden, Sicherheit und Stabilität zu gewährleisten, erklärte der Präsident. Derzeit hält sich Musharraf, der im Oktober 1999 durch einen Putsch an die Macht kam, in den USA auf, wo er am Samstag vor der UN-Vollversammlung sprechen und mit US-Präsident George W. Bush zusammentreffen wollte.

Auch im indisch verwalteten Teil von Kaschmir demonstrierten Moslems im Anschluss an das Freitagsgebet gegen die USA und den Krieg. Nach Augenzeugenberichten wurde ein Dutzend Menschen verletzt, als die Polizei in der Sommerhauptstadt Srinagar gegen die etwa hundert Demonstranten vorging, die Steine in Richtung der Polizisten warfen. Die Demonstranten hatten zuvor die Taliban hochleben lassen und eine US-Flagge verbrannt. Unter den Verletzten war auch ein Fotograf der Nachrichtenagentur Reuters. Aus Protest gegen den Afghanistan-Krieg blieben Geschäfte, Schulen und Banken in Srinagar geschlossen. In anderen kaschmirischen Städten wurde der Aufruf zu einem Generalstreik nach Angaben der Polizei in geringerem Umfang befolgt.

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