56-Jährigem fehlte wohl auch die Hausmacht
Werner Müller: Die Politik bleibt für den Energiemanager Episode

Das politische Ränkespiel liegt ihm nicht. Wirtschaftsminister Werner Müller gehörte eher zu den Stillen im Kabinett von Bundeskanzler Gerhard Schröder. Im Zentrum politischer Aufregung war der parteilose Volkswirt kaum zu erleben.

HB/dpa BERLIN. Zu diesen seltenen Gelegenheiten gehörte der Streit mit Arbeitsminister Walter Riester (SPD) um die Mitbestimmung für Betriebsräte zur Mitte der Legislaturperiode. Er wolle nicht "wirkungslos" bleiben, sagte Müller damals. Jetzt muss er nach vier Jahren Amtszeit seinen Hut nehmen. Für den früheren Strom-Manager und Energieberater Müller blieb der Ausflug in die Politik eine Episode.

Der 56-jährige, aus Essen stammende Ökonom hat es nicht geschafft, sich im Kabinett Schröder unentbehrlich zu machen. Parteilosigkeit und Souveränität brachten ihm zu Beginn seiner Amtszeit Achtung und Vorteil ein. Aber schließlich mag ihm wohl doch auch die "Hausmacht" in der Partei fehlen. Er sollte den Kontakt zur Industrie pflegen und die Öffnung der SPD zur politischen Mitte vertreten. Dabei hat er durchaus Erfolge vorzuweisen. Das Atomausstiegsgesetz im Konsens mit der Industrie wäre ohne seine Mitwirkung sicher sehr viel schwieriger gewesen. Und auch die Abschaffung des antiquierten Rabattgesetzes zählt zu Müllers Verdiensten.

Der promovierte Sprachwissenschaftler hat so seine eigene Art zu formulieren. Trockener Humor und Direktheit machten ihn bei manchem beliebt. Politisch war diese Art nicht unbedingt immer geschickt. So titelte etwa die "Bild"-Zeitung: "Herr Minister, haben Sie einen Knall?", als Müller den wegen der drastisch gestiegenen Benzinpreise aufgebrachten Autofahrern empfahl, doch einfach weniger zu fahren. Die Grünen brachte er mit provokativen Thesen zur Energie- und Klimapolitik auf - die Opposition sah Wasser auf ihren Mühlen. "Rot- grüne Illusionen entzaubert", höhnte damals etwa die FDP.

Schröder hatte Müller vor vier Jahren quasi über Nacht ins Kabinett geholt. Der frühere Berater Schröders in Energiefragen half dem Kanzler mit seiner Zusage kurzfristig aus der Verlegenheit, nachdem der zunächst für das Amt vorgesehene Unternehmer Jost Stollmann aus Protest gegen die Beschneidung seiner Kompetenzen auf den Posten verzichtet hatte.

Müller hatte zuvor bereits zwei Mal dem Werben des Kanzlers widerstanden. Denn es ist für ihn keineswegs "das vollkommene irdische Glück", Minister zu sein. Auf die entsprechende Frage im Magazin der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" antwortete Müller 1999 vielmehr: "Im Bademantel ungestört frühstücken".

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